Erdbeeraroma

Ohne festes Ziel ging ich los an diesem schönen Septembersonntagabend. Anlass war, an der Tanke was süsses zu holen. Doch spontan kamen ein paar Schritte mehr dazu und ich fand mich im kurdischen Volksmarkt an der Ecke wieder. Für mich ist das wie Ferien dort, für die meisten Kunden vermutlich eher wie Heimat. Kaffee ging mir heute aus und die haben meine Lieblingssorte, hergestellt in Pristina. Leider ist sie momentan nur in kleiner 2oog Packung erhältlich, also nahm ich einen Beutel aus Bosnien. Er hat kaum Platz in meiner roten Blechdose mit weissen Punkten. Das heisst, die Mokkamahlung ist gröber und darum hätte ich einen Löffel mehr in mein 2er Kupferkännchen geben sollen um die gewünschte geschmackliche Intensität zu bekommen.
Kardamom Samen habe ich auch noch gekauft. Immer bereit für ein neues geschmackliches Abenteuer, kam auch noch eine Kaffeemischung mit 10% Kardamom dazu.
Doch das eigentliche Highlight ist ein Erdbeersoftgetränk. Haben die Erdbeeren und meine rote Kaffeedose weisse Punkte so hat dies, zur Abwechslung, schwarze Punkte. Es sind Basilikumsamen die im roten erdbeeraromatisierten Inhalt des durchsichtigen Glasfläschchens schweben. Warum gibt es das? Warum macht man sowas? Und die grosse Frage: warum kaufte ich das?

Ich las einst von einem Töpfer, dass die «Überraschung» eine grosse Komponente in der japanischen Kunst sei. Man sieht eine Teetasse und denkt die ist wohlgeformt, stabil und erdig. Doch wenn man sie in die Hand nimmt, ist sie ganz leicht und durch die raue Oberfläche entsteht bei Berührung ein Kitzeln an den Fingerkuppen, fast ein Klang beim darüber streichen. Etwas, das man nicht vermutet hätte und nun überrascht. Genauso ist es mit den schwebenden Basilikumsamen. Sie sinken nicht auf den Boden des Getränks noch schwimmen sie obenauf. Sie halten schön verteilt die Schwebe. Wenn man es trinkt spürt man den glibbrigen Basilikum auf der Zunge. Ein sensorisches Erlebnis. Etwas das die verspielten Asiaten zu lieben scheinen. Die winzigen Samen saugen Wasser auf und dehnen sich auf vielleicht das 10-20 Fache ihres Volumens aus. Darum können sie nicht sinken, weil es unsichtbare Bällchen mit schwarzem Kern sind. Das Getränk wurde in Vietnam hergestellt und ich kann es mir gut in Thailand, Taiwan oder Japan in den Verkaufsläden vorstellen.

Ah-ri und ich teilten uns das Erdbeergetränk und freuten uns über die schwebenden schwarzen Basilikumsamen. Sie trägt eine Art blaue Matrosenschuluniform mit weissem Kragen. An Stelle eines Rocks weite Hosenbeine. Es scheint als ob sie aus Zeit und Raum gefallen ist. Direkt aus dem Schulalltag einer asiatischen Highschool oder dem College, das sie in ihrer Vergangenheit besucht hat, in die Gegenwart, zu uns nach Europa teleportiert. Die Haare im Schulalltag etwa alle 2-3 Tage gewaschen und leichte Abnützungen an den Nähten der ‚Uniform‘.  Ziellos, komplett im falschen Film, doch unglaublich hübsch mit ihren schönen Lippen, mandelförmigen Augen und fein geschnittenen hohen Wangenknochen. Sie hat offensichtlich einen fernöstlichen Ursprung. 

Ah-ri war auch in dem Laden. Sie irrte etwas verloren darin umher und wir begegneten uns paarmal zwischen den Gestellen. Ich sprach sie ausserhalb des Ladens an und fragte, ob sie auch da lang gehe. Sie suchte den Bahnhof, der in Richtung meines Weges lag. Ohne grosse Worte schlenderten wir der Hauptstrasse, der Baumallee, entlang. Deutsch versteht sie nicht, Englisch schon. Ich fragte nicht viel, doch es war schön mit jemandem da lang zu spazieren. Ich zeigte ihr meine Einkäufe und sagte, dass ich neugierig sei, wie der ‚basil seed softdrink‘ schmeckt. 

Sie war ganz entzückt davon. Also setzten wir uns auf eine Bank, etwas zu knabbern und die Sachen auszuprobieren. Sie hatte Zeit dafür. Wir plauderten über Essen, Musik, usw. Ich fragte nichts über ihre Herkunft, über ihr Leben. Das wäre so plump. Es ist weitaus interessanter das einfach so erzählt zu bekommen. Oder eben auch nicht. Doch ihre Aufgeschlossenheit liess mich auf Korea tippen. Sie gibt ihr Geheimnis, das vielleicht gar keines ist, nicht sofort Preis. Eine neue Geschichte hat begonnen.

Hört Israel zu

«… doch Antisemitismus, der tiefe Hass, basierend auf der Ohnmacht eines kapitulierten Intellektes, ist die Bankrotterklärung des menschlichen Geistes …»

Israel ist umzingelt von ‚Staaten‘ oder eher Gruppierungen, die einfach nur Israel auslöschen wollen. ‚Geht weg‘ rufen sie. Als ob man die Verzweiflung dieser Rufenden nicht hören würde. Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten. Das bedeutetet, eine Gewaltenteilung zu haben zwischen Gesetzgebender und Gesetzausübender Gewalt. Etwas was den modernen Staat mit Verfassung auszeichnet. Es ist eine Kultur des Dialoges notwendig um solch eine Demokratie zu bewerkstelligen die schlussendlich Wohlstand und Frieden der Menschheit bringt. Nicht weil irgend ein sogenannter, aber nicht verstandener, Gott irgendwas macht, sondern weil die Menschen ihren Verstand gebrauchen.

Das ist der Schlüssel zur Lösung aller Probleme. Braucht euren Verstand, Menschen. Guckt mal wieweit ihr durch nachdenken und bedachtes Handeln kommt. Wie weit ihr kommt, nicht durch beten für das Gute, sondern durch die gute Tat. Streit gibt es von alleine, wenn die Unstimmigkeiten nicht gelöst werden. Frieden gibt es nur durch aktives Tun des Guten.

Israel wurde 1948 gegründet und unmittelbar danach gleich von allen umliegenden Staaten angegriffen. Herodes wollte das Kind töten. Es war anders geplant, es hätte Frieden geben können. Die umliegenden Staaten wollten das nicht. Doch guckt was Israel geleistet hat. Was der jüdische Staat innert kürzester Zeit auf die Beine gestellt hat. Mit Fantasie, Visionen, technischem Kalkül mitunter der klügsten Köpfe, die die Menschheit zu bieten hat. GUCKT HIN, HÖRT «den Juden» zu. Wir können etwas lernen.

Heute ist Samstag, 13. September 2025 | 20. Elul AM 5785. Das heisst der jüdische Kalender beginnt 3761 v chr. Das war so etwa die Zeit in welcher die Sumerer die Zivilisation erfanden. Die Menschen lösten sich aus der Jäger- und Sammler-Mentalität und begannen Städte zu bauen, das Land zu vermessen und einzuteilen, sie erfanden die Schrift und die Verwaltung der irdischen Angelegenheiten. Sie brauchten ihren Verstand. Das heisst, dass der vorher schon vorhanden war.

Die Menschen begannen also ihr Schicksal, wenigstens ansatzweise, selbst in die Hand zu nehmen. Diese Entwicklung setzte sich fort bis heute, wo wir es mit künstlicher Intelligenz zu tun haben. Die Sumerer begannen die Schrift zu brauchen. Sie ersetzten das Orakel. Man konnte nicht mehr «heute diese Geschichte und morgen eine dieser komplett wiedersprechende Geschichte» erfinden. Man schrieb es auf und auch nach 4000 Jahren kann man die Tontafeln noch lesen. Man beschliesst etwas gemeinsam und man kann das einsehen. Das bringt Frieden. Menschen gemachten. Dazu braucht es erstmal keinen Gott.

PM Netanyahu sagte vor dem amerikanischen Kongress über den aktuellen Krieg in Gaza, der am 7.10.23 durch den Überfall von Terrortruppen aus Gaza auf Israel losgetreten wurde:

«Es ist kein Krieg zwischen Zivilisationen, es ist Krieg zwischen Zivilisation und Barbarei». Man kann über diese Aussage denken was man will, doch versuchen sie zu verstehen, führt zur Erkenntnis, dass wohl genau das gemeint ist was er sagte.

Hören wir Israel zu, wir können etwas lernen. Vergessen wir die Vorurteile und all das erbärmlich dumme Geschwafel und Gespött über Israel.

Stimmt es nicht was er sagte? Seit 5785 Jahre sind «die Juden» der Dorn im Fleisch der Menschheit, der sie antreibt ausserordentliche geistige Leistungen zu vollbringen. Nicht nur «die Juden» auch Christen, Muslime, Sufis, Inder, Chinesen, Tolteken, usw. haben grosses diesbezüglich geleistet, zum Teil unabhängig voreinander zum Teil sich gegenseitig inspirierend. Von den Indern haben wir die Null, von den Arabern die Algebra usw. «Die Juden» haben eine durchgehende 5785 Jahre andauernde Tradition, schriftlich festgelegt. Nicht «heute dies, morgen das». Das ist eine grossartige, einmalige Leistung. Viele die über Israel in ihrem Antisemitismus herziehen können kaum bis 3 zählen. Sie geben sich mit der Erdscholle, aus welcher sie gewachsen sind, zufrieden und mit der Vermehrung der Familie. Mehr wollen sie nicht. Doch … es gibt Platon. Die griechische Kultur, die grossen Gegenspieler, die gar nicht so unterschiedlich sind.

Platon schreibt im Timaios (27,28):

«Zuerst nun haben wir, meiner Meinung nach, dies zu unterscheiden: was ist das stets Seiende, das Entstehen nicht an sich hat, und was das stets Werdende, aber niemals Seiende; das eine, stets gemäss demselben Seiende ist durch Vernunft mit Denken zu erfassen, das andere dagegen durch Vorstellung vermittels vernunftloser Sinneswahrnehmung vorstellbar, als entstehend und vergehend, nie aber wirklich seiend.»

Das «Seiende» ist also durch Vernunft mit Denken zu erfassen. Das «Seiende» ist der göttliche Ursprung. «Die Juden» sprechen Gottes Namen nicht aus und im Taoismus gilt: «Tao, das du benennnen kannst, ist nicht Tao». Im Christentum hätten wir den heiligen Geist zur Verfügung der die Brücke zwischen Mensch und Gott schlägt.

Wenn wir also unseren Verstand, unser Denken und unsere Vernunft brauchen sind wir – wen wunderts – Gott am nächsten. Es ist der klassische Kain – Abel Konflikt der oftmals überhaupt nicht- und wenn, meistens sehr miss-verstanden wird. Das Missverständnis liegt darin, dass im religiösen Wahn gerne Abel gespielt wird. Wir sind aber nicht mehr Abel – wir sind Kain. Alle. Denn Adam und Eva haben von der ‚verbotenen‘ Frucht gegessen. Die Frucht ist nicht verboten, doch davon zu essen ist eine unumkehrbare Entscheidung. Wir sind deren Kinder … nun müssen wir eben den Verstand gebrauchen um unsere Angelegenheiten zu lösen. Womöglich sind uns «die Juden» mit ihrer über Jahrtausende überlieferten Tradition da ein Stück voraus … hört auf Israel. Sie haben etwas geleistet, aus dem Nichts etwas aufgebaut, das man analysieren und angucken, sogar kritisieren kann.

«Die Juden» sind nicht sehr gut darin über ihre Taten zu prahlen. Verständlicherweise wollen sie lieber unerkannt durch ihre Werke brillieren. Allzuoft erzeugen diese Werke Neid und Eifersucht.

Israel braucht die Unterstützung der zivilisierten Welt um den Barbarismus der Terrorfürsten zu zähmen. Wir müssen Israel unterstützen. Nicht im Sinne eines «Geschäftes» sondern in echter Solidarität. Es darf keinen Judenhass mehr geben in unseren Ländern, in Europa und Amerika. In den modernen Staaten. Alle Gläubigen Menschen die eines Verstandes würdig sind, Christen, Muslime, Taoisten, Konfuzianer, Hindus, Sikhs, Buddhisten, Tantriker usw., alle die etwas auf ihre Vernunft halten, müssen jetzt diesen Inneren Kampf in sich selbst führen, nicht gegen die Barbarei sondern für die Erleuchtung. Wir müssen und können unsere Probleme mit unserem Verstand WELTWEIT lösen. Und wir müssen es gemeinsam tun, sonst ist Krieg. Hört Israel zu. Sie führen diesen Kampf seit 5785 Jahren.

Das offensichtliche Geheimnis um den angebissenen Apfel

Ein Stichwort (tag) zum ersten Eintrag in diesem Blog, vom 19. Mai 2012 mit dem Titel «Wirklichkeit», lautet «Apple Computer». Schon damals geisterte seit Jahren oder gar Jahrzehnten die Idee eines inneren Zusammenhangs zwischen dem Apple-Logo und dem angebissenen Apfel in der Schöpfungsgeschichte des «alten Testamentes» oder genauer der Tora, durch mein Bewusstsein. Der angebissene Apfel, der in verschiedenen Mythologien und Märchen der Welt auftaucht. So bei «Schneewittchen und den sieben Zwergen», «Persephone» und auch beim Tod von Computer Pionier Alan Turing.

In der ins Deutsche übersetzten Genesis (leider verstehe ich weder die hebräische noch die aramäische Sprache), werden die ersten Menschen gewarnt, nicht vom Baum der «Erkenntnis von Gut und Böse» zu essen. «Die Götter» (ja es steht da in Mehrzahl) hatten Angst, dass die Menschen erkennen und auch noch vom Baum des Lebens naschen wollen um gar unsterblich zu werden. Es blitzt in der Geschichte eine Eifersucht der «Götter» auf die Menschen durch.

Die religiösen Bücher sehe ich als Mythologien. Auch wenn sie geschichtliche oder ethische Komponenten enthalten mögen. So betrachtet können die sogenannt «heiligen Schriften» wesentlich mehr hergeben. Es ist in ihnen Wissen enthalten das mit dem Glauben nicht erschlossen werden kann. Der «Glaube» ist womöglich ein gutes Instrument um ein gerechtes Leben führen zu können, wenn es ein «Glaube an das Gute» ist, doch Wissen und Erkenntnis hat er nicht.

Mein Gedanke war: Ein Computer rechnet mit dem binären Zahlensysten. Ein Bit kann an oder aus sein. Es gibt also nur zwei Ziffern: 0 und 1. Im Zehnersystem gibt es ja zehn Ziffern, von Null bis Neun.

Somit erscheint der Zusammenhang offensichtlich. Einesteils rechnet der Computer also im Dual- oder Binäsystem, andererseits haben wir das duale (oder polare) «Gut» und «Böse» in der Genesis. Gut und böse kann auch als «positiv» und «negativ» verstanden werden.

Der Gedanke eines Zusammenhangs des Apple-Logo und der Genesis drängt sich heute auf, doch damals, in den 80igern, 90igern, Millenium, dem Beginn des Internetzeitalters, der technologischen Evolution in horrendem, euphorischem Tempo, war es schwierig sich vorzustellen, Steve Jobs hätte da, trotz seines Familiennamens, als Hippie auf solch eine Tradition zurückgegriffen.

Das Thema schlummerte bis zu dem Tag als seine Tochter 2025, also neulich, heiratete.

In einem Artikel über sie habe ich gelesen, dass sie ein altes Apple T-Shirt besonders liebt. Eines auf dem auf der Vorderseite sinngemäss steht: «Eve made the right choice» und auf der Rückeite «She picked the Apple».

Kein Wunder mag sie das Tee, denn sie heisst «Eve».

St eve Jobs hat uns also mit dem Namen seiner Tochter, bewusst oder unbewusst, einen Schlüssel hinterlassen.

Was hat es also mit dem «Baum der Erkenntnis» auf sich, auf den das «Apple Logo», nun zumindest plausibel, referenziert?

Das ist Thema des nächsten Blogeintrages.

Im Anfang war das Wort …

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.[1]
(Johannes 1, 1: Bibelserver.com , Luther 2017) ( wörtliche Übersetzung )

Als «Wort» wird im in griechischer Sprache geschriebenen «Original» «Logos» verwendet.
«Anfang» kann auch als «Ursprung» verstanden werden.

In dem Buch «Timaios» (31,32) von Platon ist folgender Satz zu finden:

«Das schönste aller Bänder ist nun das, welches das Verbundene und sich selbst soviel wie möglich zu einem macht; das aber vermag seiner Natur nach am besten ein gegenseitiges Verhältnis zu bewirken.
Wenn sich nämlich von irgendwelchen drei Zahlen oder Massen oder Flächen die mittlere zur letzten wie die erste zu ihr sich verhält, und so auch die letzte zur mittleren wie diese zur ersten, so folgt, indem die mittlere zur ersten und letzten wird und die letzte und erste beide zu mittleren, daraus notwendig, daß alle dieselben seien, indem sie aber untereinander zu demselben werden, daß alle eins sein werden.»

Weiter ist in dem Buch «Timaios» (27,28) folgende Aussage zu finden:

«Zuerst nun haben wir, meiner Meinung nach, dies zu unterscheiden: was ist das stets Seiende, das Entstehen nicht an sich hat, und was das stets Werdende, aber niemals Seiende; das eine, stets gemäß demselben Seiende ist durch Vernunft mit Denken zu erfassen, das andere dagegen durch Vorstellung vermittels vernunftloser Sinneswahmehmung vorstellbar, als entstehend und vergehend, nie aber wirklich seiend

Zudem steht im «Timaios» (29c) folgender Satz:

« … denn wie das Sein zum Werden, so verhält sich die Wahrheit zum Glauben.»

Daraus scheint ersichtlich, dass Gott, das «Sein», nicht erspürt oder erfühlt sonden nur «durch Vernunft im Denken» erfasst werden kann.

Weiter geht es im Prolog des Johannesevangeliums:

«Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.[2] 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. 6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7 Der kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeuge, auf dass alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. 9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen[3].»

Die Aussage scheint klar zu sein … Das wahre Licht wird das Denken im Menschen erleuchten. Das ist die Aussage im Prolog des Johannesevangeliums und die christliche Botschaft. Auch im Taoismus, Budhismus, Hinduismus ist das die Grundaussage. Im Judaismus und Islamismus wird es dasselbe sein.

Unterschiede bestehen in den Beschreibungen des Weges, die zu dieser Erleuchtung in Vernunft und Denken führen …

Im Grunde zählt nur, ob ein Mensch, egal welcher Herkunft, den Ursprung in Vernuft und Denken erfasst.

In diesem «erleuchtet» sein findet sich auch Wissenschaft und Kunst.

Montreux

Haibun

Es gibt Momente in denen sich die grauen Berge und die graue Wolkendecke, von Montreux aus gesehen, im Genfersee spiegeln. Gegen Abend kann es sein, dass die Wolkendecke etwas aufbricht.

Auf bleigrauem See
am Fuss der Schneeberge
ein goldener Glanz

Mit der Zahnradbahn, dem Auto oder zu Fuss geht es von dort hoch hinauf. Bis auf den Roger de Naye, einem beliebten Abflugsort für Geitschirme und Deltasegler.

Aufmerksame Reisende können unterwegs ein Tempelgbäude entdecken das auf betonierten Pfählen ruht. 

Eiswasser tropft
vom Tempeldach 
ins Nebelmeer

Ausserhalb ist ein kreisrunder Brunnen. Er ist nicht gross, mit weissen Mosaiksteinen ausgekleidet und blauen, ineinandergefügten Kreisen.

sieben Fontänen
wenden sich wieder erdwärts
im Rosengarten

Drinnen, vorbei an den Wächtern ist ein weiterer Brunnen.

knisternde Stille
ins sanfte Plätschern
öffnet sich die Tür

Worte ertönen aus dem Innersten. Erinnerungen an das verborgene Licht.  Worte aus früheren Zeiten, vielleicht aus Ägypten, China, von Johannes, Platon, Lao Tse, aus dem erwachenden Europa. Der selbe Ruf über Jahrtausende.

lichtdurchflutete
Blüten und im Schatten noch
die Rosenknospen

Auf einem Abendspatziergang dann:

Das Sternenmeer
oberhalb und unterhalb
das Lichtermeer

Morgens, im Sonnenaufgang, kann  nicht selten ein metaphorisches Bild erblickt werden. Die Natur als Künstlerin malt:

Berge und Wolken
berühren sich
im rosa Dunst

Zurück, wieder in Montreux im Alltag. Erst ist die Erinnerung lebendig. Dann kleine Ärgernisse wie lautes telefonieren, Stau, quängelnde Kinder.

über meinem Weg
reisst die Wolkendecke auf
vor mir ein Rotlicht

Doch die Erinnerung bleibt, das Hoffen, nicht zu vergessen. Den Ruf, aus dem Innersten. Der Wunsch handeln zu können aus der «Erkenntnis der Einheit im Ursprung». Worte aus dem TAO TE King klingen in den Alltag wie:

«Sie waren zaghaft wie einer der im Winter einen Strom durchwatet.»

«Sie verschwanden wie schmelzendes Eis.
Sie waren einfach wie unbearbeitetes Holz.»

«Wer kann die Unreinheiten seines Herzens zur Ruhe bringen. Wer kann allmählich in TAO geboren werden durch eine lang bewahrte Gelassenheit.»

«Wer TAO besitzt wünscht nicht erfüllt zu sein. Gerade weil er nicht erfüllt ist, wird er vor Veränderung bewahrt.»

my last love poem

Love is inside me now
as a light in my heart, 
garding my thoughts

down in the world
it glows from nowhere within
entangled to the origin

could’nt handle it
messing with the opposit
unusable for my own

slowly became aware of it
read and heard about
incapable to realize

seems it’s here  
since ancient times –
the first cause in the origin

in a silent celebrating of kindness
Love join Love in other beings

some mess it up
fade in fade out
ghosting, even argueing

Love is inside me now 
I’m in Love

it is already 
all and everything.

TÁR — Opfer und Täter

Gedanken zum Film 
— 
Spoiler Alarm.  
Einige Textpassagen sind nur verständlich nachdem der Film geschaut wurde. 
— 

Im 2023 Oskar nominierten Film TÁR sind verschiedene Geschichten kunstvoll zu einem Bild verflochten. 

Das Bild zeigt, wie eine Dirigentin an Mahlers Symphonie Nr. 5 scheitert und ihre Reputation und Anstellung verliert. 

TAR kann, als Anagram, verschieden gelesen werden. Als Teer, Kunst oder Ratte. Die ‚Ratte‘ und die ‚5‘ erinnern an Dr. Faust. 

Es ist die mitutiös aufgedröselte Geschichte eines Falls, wie er üblicherweise geschiet, durch das Fehlen der (bedingungslosen) Liebe, weil sie vom Egoismus zu eigenen Zwecken umgebogen wurde. 

In einer TARkovskyesken Szene folgt TAR einem sirenenhaften Gesang in die Unterwelt und begegnet dort ihrem ‚Hüter der Schwelle‘, Cerberus. Er knurrt und ist nicht friedlich, wie der Hund mit den Anubis-Ohren in ‚Stalker‘.  

Die Unterwelt spuckt TÁR wieder aus, wobei sie den ‚Shape‘ der linken Gesichtshälfte verliert und den Takt über ihre Selbstbestimmung, durch eine Entzündung in der rechten Schulter. Im Talk zu Beginn des Filmes erklärt TÁR die Funktion der beiden Arme beim dirigieren.  

Schlussendlich lernt sie die Lektion und erbricht das Gift des ‚vergifteten Apfels‘, ausgelöst durch einen warnenden Blick der ‚5‘ aus der ‚fish bowl‘ und hebt dann mit der ‚fünften Flotte‘ in die neue Welt ab. 

Roman à clef

Die Novelle ‚Challenge‘ von Vita Sackville-West wird als ‚Roman à clef‘ bezeichnet. Somit sind Personen darin real existierend, wurden jedoch mit anderen Namen versehen. Eine einfache Form der Verschlüsselung. Dieser Roman verarbeitet eine Beziehung von Vita zu Violet (Grosstante von Queen Camilla). Gleichzeitig schwingt da noch Vitas Beziehung zu Viginia Woolf mit. Lydia als Vita? In umgedrehtem Sinne da Vita in der Novelle Julian ist? Oder gibt es Bezug zu ihrem Mentor Bernstein?  

Das Buch wird im Film anonym abgegeben, doch vor der Szene, in der das Buch auftaucht, ist wieder die Frau mit den roten Haaren von hinten zu sehen. (Francesca eilt im Regen über die Strasse, rechts ein Auto mit Kennzeichen ‚Listen‘).  Es ist Krista Taylor. In einer späteren Szene wird Krista in einem online Zeitungsartikel als ‚MT Kisco native‘ bezeichnet. Kisco wird ethymologisch auf ‚Schlamm‘ zurückgeführt. Als dies wird auch Violet in ‚Challenge‘ bezeichnet. 

In derselben Szene wird Francesca von Lydia abgewimmelt und am andern Tag erstaunt sich Sharon über die rote Tasche, die kurz nach dem ‚Talk‘ noch einer Bewunderin von Lydia gehört hatte (‚can i text you?‘, was sie offensichtlich an diesem Abend noch getan hat). 

Kurz nach dem ‚Talk‘, also sehr dicht, wird die ganze Konstellation dargestellt, in die sich TÁR manövriert hat. Sie verletzt exemplarisch drei (auch Eliot wird abgewatscht) der Stützen, auf welchen ihre Existenz ruht, die später in der Geschichte dann ganz wegbrechen werden. 

Der Suizid, der kurz nach dieser Szene Krista vollzieht (verzweifeltes E-Mail am anderen Morgen, erste ‚halluzinierte Stimme‘ bei Radioansage), wird das endgültige Aus für TÁR bedeuten. Denn Krista ist Tochter eines Citybank Direktors, eines Geldgebers für TÁRs Stiftung ‚Accordion‘. Es ist der ‚grössere Fisch‘. 

Hüter der Schwelle

Anubis wird in ägyptischen Abbildungen an einer Waage stehend abgebildet. Auf der Waage ist ein Herz, das gegen eine Feder aufgewogen wird.  
In der griechischen Mythologie ist es Cerberus und in Deutschland wiederum eine Waage, mit welcher die 7 Tugenden geprüft werden. 

Das sind keine Urteile die jemand ausspricht. Es wird so mythologisch dargestellt, wie weit das Bewusstsein eines Menschen gereift ist. Das bestimmt zum grossen Teil das betreffende menschliche Individuum selbst. Zur Erinnerung: Timaois sagt, “ ‚Die Welt der  Ideen‘ kann nicht mit den Sinnen betreten werden, sondern nur im Geist.“ Genauer übersetzt heisst es: „Gott kann nur im Geist erschaut – und nicht mit den Sinnen erfahren werden.“ Doch der Begriff „Gott“ ist so beliebig geworden, dass er,  dank den narzisstischen ‚Predigern‘, besser vermieden werden sollte. 

Wenn also ein Künstler nach der ‚göttlichen Musik‘ oder grad nach ‚Gott‘ selbst greift, sollte er sich seiner Begierden entledigt haben. Falls nicht, siehe TÁR, Faust, usf. 

Das ist die Lektion, die Essenz, die aus dieser exemplarischen Geschichte gezogen werden kann.   

Ironie

Die überaus weibliche, selbstbewusste, heterosexuelle russische Cellospielerin ‚Olga‘ spielt das Spiel von Lydia nicht mit. Sie lässt sich nicht einwickeln. 

Eine sich selbst als ‚U-Haul Lesbian‘ bezeichnende, macht einen sich selbst als ‚BIPOC‘ (black indigen people of color) und ‚Pangender‘ bezeichnender Student zur Schnecke. 
Es geht in dieser Szene um Identifikationen generell, speziell hier zur sexuellen Ausrichtung. Auch da ist Platon in klärendem Sinne zur Stelle. Im Reich der ‚befreiten Seelen‘ gibt es keine Geschlechtlichkeit mehr. 

Dort gibt es keine Abgrenzungen mehr. Dies Reich der Seelen kann nur in einem besonderen Bewusstsein erreicht werden, das die Dominanz des Egoismus zugunsten eines Bewusstseines der Einheit im Ursprung auflöst. 

Kein herumschnipseln am biologischen Körper, weder Homosexualität noch Heterosexualität und keine Tantrische noch Taoistische Sexualpraxis öffnet die Türen zu diesem Bewusstsein.  Auch das verdammen oder Unterdrücken der Sexualität führt nicht dahin. 

Doch der Bewusstseinszustand der befreiten Seelen ist verpönt in dieser Welt. Platonische Liebe wird belächelt und nicht ernst genommen.  

Dies ist weiter nicht tragisch, das gehört zum ‚Leben‘, doch es ist der Ursprung der Tragödie ‚Zwischenmenschliche Beziehungen‘. 

Leonard Bernstein komponierte Serenade, after Plato’s Symposium. 

Im ‚Symposion‘ lässt Platon Sokrates die Herkunft von Eros erzählen. Er wurde gezeugt am Geburtsfest von Aphrodite, seine Mutter ist ‚Armut‘ und sein Vater ‚Reichtum‘ 
Also sagt Diotima: ‚Welches also sind denn die Weisheitssuchenden, wenn nicht die Weisen und die Toren?‘ […] 
‚Die zwischen diesen beiden, deren auch Eros einer ist. Die Weisheit gehört nämlich zu den schönsten Dingen, Eros aber ist Liebe zum Schönen, so dass Eros notwendig weisheitssuchend ist, weisheitssuchend aber ist er mitten zwischen weise und törricht.‘ 

Icaro kavvanah teshuvah no(s)talgia

Obwohl sich Lydia der Praxis des ‚Icaro‘ bewusst ist und ‚Kavvanah‘ als Geschenk  Ihres Meisters Bernstein betrachtet, ist sie blockiert und hat selbst Mühe zu komponieren. Mit diesen beiden Begriffen wird auf die Inspiration hingedeutet. Und genau da liegt auch eine mögliche Diskrepanz von der Schönheit eines Werkes und der Tragödie des Lebens des es erschaffenden Individuums. 

‚Icaro‘ ist ein schamanischer Heilgesang und ‚Kavvannah‘ die ‚Hingabe‘ und ‚Aufrichtigkeit des Herzens‘ im Gebet. Die Lösung wär so nah, sie hat sie selbst auf der Zunge. 

‚Icaro‘ beschreibt den ‚Empfang‘ eines Liedes im Moment, wenn ‚Geist‘ und ‚Körper‘ eine Einheit bilden, wie zwei Seiten der ‚kosmischen Münze‘. Dann entsteht das Werk. Was danach mit dem Künstler geschieht ist meistens das wieder suchen dieses Momentes oder eben die Substitution dessen durch verschiedene ‚Such’tmittel. 

Doch sie ist, wie viele inspirierten Künstler im knallharten Alltag in einer unmöglichen Situation. Zuviele sich widersprechende Ansprüche können nicht oder nur mit ausserordentlichem Geschick gleichzeitig bedient werden. 
Der nahezu einzige Ausweg aus einer solchen Situation ist Demut und Dankbarkeit allen Beteiligten gegenüber. Das ist zwar eine recht langweilige Sache, doch es lohnt sich. demütig und dankbar aus der ‚bedingungslosen Liebe‘ zu sein.  

‚Liebe hat 60 Namen‘, sagen die darauf spezialisierten im arabischen Sprachraum. Bei den alten Griechen sinds 3: Eros, Philia, Agape. Begehren, Freundschaft und eben, die ‚Bedingungslose Liebe‘. Lydia hat diese Liebe nicht, auch nicht die Demut und nicht die Dankbarkeit. Darum steitert sie und darum gibt es diesen Film. 

Für Menschen die diese bedingungslose Liebe nicht kennen ist sie schlicht unbegreiflich, langweilig und dumm. 

Doch es ist etwas, das aus dem Innern kommt. Es ist eine Flamme im Herzen. Es ist ein Licht im Innern. Es erleuchtet das Denken wie die Seele, also das Bewusstsein. Sie ist die Essenz allen Ringens und Kämpfens. Die Suche und alle Kämpfe sind vorüber, wenn das kleine Licht im Innern entdeckt wird. 

Sie gibt ein grosses Verständnis für alle Kreaturen. Der Alltag bleibt, der sich vorallem ums Essen, Wohnen und Vermehren der Familie dreht. Doch er ist erfüllt. Diese Liebe kann nicht gekauft, erzwungen, erwartet oder erschlichen werden. Es kann niemand diese Liebe für einen anderen Menschen entfachen.  

Keine Mäntel, Roben, Perrücken, Hüte, Schleier können sie vortäuschen. Keine Moraltheologie kann sie garantieren. 

Nach unzähligen Fehltritten und tölpelhaftem Verhalten kann sie einfach irgendwann da sein. Quasi als letztmögliche Erkenntnis. 

Sie zähmt die Hüter der Schwelle, wie auch immer in welchem kulturellen Kontext sie heissen. Denn sie sind das Produkt des eigenen Unverstandes. 

‚Teshuva‘ bedeutet Reue über vergangene Taten. Lydia meint sie könne diese durch Liebe ersetzen … sie sagt ‚Liebe‘ doch meint ‚Eros‘, ‚Begehren‘. Agape könnte die Reue tatsächlich ersetzen, doch da ist Lydia noch sehr weit davon entfernt. Die Folge davon ist ‚No(s)talgia Parantesis‘, Schmerz im Rücken … das was hinter ihr ist, mitunter nostalgisch wahrgenommen. Ein geniales kleines Wortspiel im Film. 

Doch die Liebe hat kein Objekt oder Subjekt, sie ist immer da. 

Schlussfolgerung 

Todd Field entlässt die losen Fäden, aus denen die Geschichte entstand, wieder in Freiheit. Das labyrinthartige Shipibo Muster löst sich auf. Es werden neue Verwebungen entstehen. Bis irgendwann einmal der gereichte, ‚rote Faden‘ der Ariadne ergriffen wird. 

Die Lösung ist immer ganz nah. Sie liegt im überaus schwierig zu lösenden Koan: ‚Liebe deine Feinde‘.

«Where the crawdads sing»

Neulich ist der Buch und Filmtitel «Where the crawdads sing» breit in dem Marschland der öffentlichen Wahrnehmung gestreut. Habe mir nach Empfehlungen, die mich nicht wirklich begeisterten, dennoch, in einem Moment der Tiefenentspannung, den Film angeguckt und war begeistert. Das verwundert mich nicht sonderlich, da ich ja im Sternzeichen Krebs geboren bin. Der Film erschien auch im Sternzeichen Krebs, also im Juli. Der Titel liess mir keine Ruhe. Er fasziniert mich. Im Grunde ist er ein kurzes Gedicht. Fast ein kleines Haiku. Das weibliche YIN in der chinesischen Philosophie wird als dunkel, feucht, kalt und unberechenbar bezeichnet. So ist Kya als Protagonistin, von allen Familienmitgliedern verlassen, alleine im Marschland aufgewachsen. Sie ist ein Kind des Marschlandes sozusagen. «Marsch ist nicht Sumpf…», wird gesagt, «… doch in der Marsch kann es den tiefsten Sumpf geben». Crawdads sind Flusskrebse, sie werden im englischen Sprachraum auch als crawfish, crayfish und anders bezeichnet. Krebse leben unter Wasser, können aber nicht schwimmen. Sie kriechen und krabbeln. Vom Krabbeln haben sie wohl auch ethymologisch ihren Namen erhalten. Auf deutsch wird übersetzt «Wo die Flusskrebse singen» oder als Filmtitel «Der Gesang der Flusskrebse» (was eine leichte Verzerrung ist). Das muss ein Geräusch sein, entfernt vergleichbar dem Zirpen der Grillen. Ein «Gesang» der wohl entsteht wenn Mengen von Flusskrebsen im stillen Marschland unterwasser den Grund nach Nahrung durchpflügen und dabei Klickgeräusche entstehen. Nur hörbar komplett abseits, wenn die Natur zu leben beginnt. Dort ist etwas hörbar, das unsichtbar im Untergrund wirkt. Der Film ist durchgehend weiblich. Schrifstellerin (Delia Owens), Drehbuchautorin (Lucy Alibar), Regisseurin (Olivia Newman), Produzentin (Reese Witherspoon), Kamerafrau (Polly Morgan), Hauptdarstellerin (Daisy Edgar-Jones), der eigens für das Buch komponierte Titelsong «Carolina» (Taylor Swift) und natürlich das Thema. Interessant ist die Mehrschichtigkeit des Wortes «Crawdad». Ein Glücksfall für ein Gedicht. Einesteils wird das Tier erwähnt das sensitiv unterwasser krabbelt, ganz sicher nicht singt, andererseits auch der «raw dad» der Frau und Kinder schlägt und dessen Seele selbst ein emotionaler Sumpf ist. Weiter «craw», der «Kropf», im Kropf stecken bleiben, auch im Sinne von «Kehle». Die ganze Handlung bewegt sich in diesem emotionalen Marschland, in dem Kya aufwächst und lebt, das nur sensitiv erfahrbar und durchwatbar und nicht intellektuell. erfassbar ist. Darin besteht der Genuss der Erzählung. Es ist eine schon fast vergessene Fähigkeit wach geworden, auch sensitiv wahrzunehmen. Dank an die Schöpferinnen des Werkes.

Li

Es faszinierte mich die Idee, ob scheinbar zufällige Muster in der Natur, etwas mit Mathematik zu tun haben. Erst fand ich die Annahme zwar etwas gesucht und bemüht. Doch ich bestellte das kleine Büchlein von David Wade «LI, dynamic forms in nature» bei Wooden Books für £5,99. Ein Zitat daraus möchte ich hier wiedergeben. Es wird geschrieben, dass es von Chu Hsi [1130-1200] (Sung Dynastie) aus China stammt:

«The term ‚Tao‘ refers to the vast and great; the term ‚Li‘ includes the innumerable vein-like patterns included in the Tao … Li is like a piece of thread with it’s strands, or like this basket. One strip goes this way, and the other goes that way. It is also like the grain in bamboo. On the straight it is of one kind and on the transverse it is of another kind. So also the mind prosseses various principles …»

Obwohl ich das Büchlein schon vor Monaten erhielt, begann ich erst heute darin zu blättern. Anlass war eine Internet-Recherche über die «John von Neumann Computer Architektur», die mich, wiedermal, zu Alan Turing führte. Er schieb «A diffusion reaction theory of morphogenesis in plants» Einer der grossen Wegbereiter des binären, heutigen, Computers beschäftigte sich also mit der Entstehung von pflanzlichen Formen. Ich erinnerte mich, dass am Anfang des Filmes «The Imitation Game», basierend auf der Biografie von Alan Turing, Bilder an der Wand seiner Wohnung hängen, die unter Anderem Phyllotaxis Muster zeigen. Eine graphische Darstellung der Fibbonacci Zahlenreihe. Das erinnerte mich an das oben erwähnte Büchlein. Beim weiteren Suchen fand ich diese Seite und die unten abgebildete Zeichnung, die Alan Turing selbst gezeichnet hat. Leonardo Davinci sowie Alan Turing scheinen sich mit derselben Figur beschäftigt zu haben.

the imitation game alan turing phyllotaxis morphogenesis
Wand Arbeitszimmer Alan Turin mit seinen Originalzeichnungen (aus dem Film ‚The Imitation Game‘)