Montreux

Haibun

Es gibt Momente in denen sich die grauen Berge und die graue Wolkendecke, von Montreux aus gesehen, im Genfersee spiegeln. Gegen Abend kann es sein, dass die Wolkendecke etwas aufbricht.

Auf bleigrauem See
am Fuss der Schneeberge
ein goldener Glanz

Mit der Zahnradbahn, dem Auto oder zu Fuss geht es von dort hoch hinauf. Bis auf den Roger de Naye, einem beliebten Abflugsort für Geitschirme und Deltasegler.

Aufmerksame Reisende können unterwegs ein Tempelgbäude entdecken das auf betonierten Pfählen ruht. 

Eiswasser tropft
vom Tempeldach 
ins Nebelmeer

Ausserhalb ist ein kreisrunder Brunnen. Er ist nicht gross, mit weissen Mosaiksteinen ausgekleidet und blauen, ineinandergefügten Kreisen.

sieben Fontänen
wenden sich wieder erdwärts
im Rosengarten

Drinnen, vorbei an den Wächtern ist ein weiterer Brunnen.

knisternde Stille
ins sanfte Plätschern
öffnet sich die Tür

Worte ertönen aus dem Innersten. Erinnerungen an das verborgene Licht.  Worte aus früheren Zeiten, vielleicht aus Ägypten, China, von Johannes, Platon, Lao Tse, aus dem erwachenden Europa. Der selbe Ruf über Jahrtausende.

lichtdurchflutete
Blüten und im Schatten noch
die Rosenknospen

Auf einem Abendspatziergang dann:

Das Sternenmeer
oberhalb und unterhalb
das Lichtermeer

Morgens, im Sonnenaufgang, kann  nicht selten ein metaphorisches Bild erblickt werden. Die Natur als Künstlerin malt:

Berge und Wolken
berühren sich
im rosa Dunst

Zurück, wieder in Montreux im Alltag. Erst ist die Erinnerung lebendig. Dann kleine Ärgernisse wie lautes telefonieren, Stau, quängelnde Kinder.

über meinem Weg
reisst die Wolkendecke auf
vor mir ein Rotlicht

Doch die Erinnerung bleibt, das Hoffen, nicht zu vergessen. Den Ruf, aus dem Innersten. Der Wunsch handeln zu können aus der «Erkenntnis der Einheit im Ursprung». Worte aus dem TAO TE King klingen in den Alltag wie:

«Sie waren zaghaft wie einer der im Winter einen Strom durchwatet.»

«Sie verschwanden wie schmelzendes Eis.
Sie waren einfach wie unbearbeitetes Holz.»

«Wer kann die Unreinheiten seines Herzens zur Ruhe bringen. Wer kann allmählich in TAO geboren werden durch eine lang bewahrte Gelassenheit.»

«Wer TAO besitzt wünscht nicht erfüllt zu sein. Gerade weil er nicht erfüllt ist, wird er vor Veränderung bewahrt.»

my last love poem

Love is inside me now
as a light in my heart, 
garding my thoughts

down in the world
it glows from nowhere within
entangled to the origin

could’nt handle it
messing with the opposit
unusable for my own

slowly became aware of it
read and heard about
incapable to realize

seems it’s here  
since ancient times –
the first cause in the origin

in a silent celebrating of kindness
Love join Love in other beings

some mess it up
fade in fade out
ghosting, even argueing

Love is inside me now 
I’m in Love

it is already 
all and everything.

Kafi Paradiesli

Haibun

Die paar Metalltischchen, draussen, in einer Nische, sind bunt übermalt. Kahle Zweige von Büschen und Baum ragen gegen das Trottoir, über Tische und Stühle, die sonst recht ordentlich versammelt sind. Es gibt einen alten Steinbrunnen fürs Händewaschen.

Drinnen, paar Stufen runter, weitere Tischchen sowie noch zwei auf einem verwinkelten Zwischenboden. Eine Minilounge, nochmals etwas abgesetzt, wagte ich nicht zu erreichen. Es gibt sogar eine Ecke zur Zubereitung von Getränken und einfachen Speisen wie Salaten und Suppen. Quiche und Kuchen bereichern das Angebot.
  
Am Nachbartischchen wird englisch gesprochen.  Es ist nicht deren unterschiedliche Muttersprache. Sie sind in den späteren Zwanzigern, treffen sich zum Lunch und scheinen kurz davor zu sein, sich ihre Liebe einzugestehen. Ihre Worte wählen sie sehr vorsichtig und liebevoll. Alle Gäste sind sehr achtsam. Jede Geste, Bewegung, muss vorsichtig gemacht werden in dem verwinkelten Café in Zürich. Sogar ein falsches Wort, so wirkt es, könnte die Holzkonstruktion zusammenfallen lassen.

Auch wir unterhalten uns auf englisch. Unsere Muttersprachen sind auch unterschiedlich. Wir wählen unsere Worte auch vorsichtig, um das Haus zu stützen.

japanese bliss
from your giggling
over celery soup