Im Verliebtsein erübrigen sich alle Fragen. Liebe ist Vereinigung zum Ursprung hin und die Gegensätze lösen sich auf. Durch das Fehlen der Liebe entsteht die Teilung.
Im Alltag ist die Schwierigkeit diese Liebe aufrecht zu halten. Die Erinnerung an die Liebe geht verloren im Strudel der Alltagsgeschäfte. Im Alltag, beim Erledigen all der Dinge, ist die grosse Aufgabe, die Balance zu behalten. Physische und psychische Stösse lassen ein momentanes Ungleichgewicht entstehen. Die Kunst besteht einerseits darin, möglichst «unfallfrei» durch den Alltag zu kommen und wenn ein Zusammenstoss passiert, ein Gleichgewicht ins Trudeln kommt, es mit einer korrigierenden Handlung wieder herzustellen.
Die Verantwortung für eine unpassende Handlung, als Reaktion, kann nicht abgeschoben werden. Das Ziel rechtfertigt keinesfalls die Mittel. Das zu Denken ist ein grosser Irrtum. Ziel und Mittel bedingen einander. Sie sind nur authentisch wenn sie eines Geistes sind.
Entwickelt etwas Lebendiges ein Selbstbewusstsein, ist es im Masse des Bewusstseins dafür verantwortlich was es tut und was ihm widerfährt. Auch dann wenn ein umgebender Einfluss die Balance durcheinander bringt.
Werden alle Handlungen aus Liebe vollbracht so gibt es kein Ungleichgewicht mehr. Auch das Ungleichgewicht der Umgebung kann so aufgefangen werden. In der Tai-Chi Schulung wird das Erhalten des Gleichgewichtes trainiert. In einem öffentlichen Verkehrsmittel kann ein solches Training auch hilfreich sein um eine aus der Balance geratene Person aufzufangen und wieder aufzurichten. Das nützt Beiden. Dies kann auch auf die psychischen Vorgänge übertragen werden.
Die Lösung für alle Konflikte in unserer Welt, in der wir tagtäglich Leben, liegt in der angewandten Liebe. Es ist die Liebe ohne Eigenschaften und Bedingungen. Es ist das überirdische oder immaterielle, die reine geistige Liebe. Es ist Agape, nicht Eros.
Es gibt nun zwei Möglichkeiten:
Das wurde erkannt und wird gelebt. Dann ist der Aufsatz hier zu Ende. Es gibt nichts mehr dazu zu sagen.
Wahrscheinlicher ist das Gegenteil. Die Liebe ist als solches bekannt und erfahren worden, kann aber nicht im täglichen Leben angewandt werden. Es ist die typisches Alltagsgeschehen. Eigentlich ist das Bewusstsein für die richtige Handlung da, doch es ist einfach nicht möglich, gerecht zu handeln und das raubt nachts den Schlaf.
Wir können unzählige, alltägliche Ereignisse durchdenken und durchspielen.
Es geht nicht darum etwas vorzuspielen was nicht ist. Es ist nahezu unmöglich immer und in jeder Situation die komplette Beherrschung zu behalten und immer aus unpersönlicher, geistiger Liebe zu handeln. In dieser Liebe stehend, ist es nicht mehr möglich, andere für ihr Fehlverhalten zu kritisieren und zu verurteilen.
Es geht um die Konstellationen, also Momente, in denen eben nicht so gehandelt wird. Ob selbst verursacht oder durch Fremdeinflüsse. Das «Leben» besteht aus lauter Konflikten. Das Blut kämpft gegen den Widerstand der Venen, der Körper gegen das Altern, die Organe um Sauerstoff und Nahrung. Der Körper meldet unzählige Bedürfnisse und Empfindungen von Wohlbefinden bis Schmerzen. Mitarbeitende wollen Aufmerksamkeit, Kunden Top Service, Liebende Streicheleinheiten. Alles hat Bedürfnisse, braucht Aufmerksamkeit, alles will beachtet und gepflegt werden. In einem einfacheren Leben sind es weniger, in einem komplizierten potenzieren sich die Anforderungen.
Taucht ein Konflikt auf, so ist vorher etwas nicht beachtet worden. Der Konflikt ist durch Nichtbeachtung von Erwartungen und Bedürfnissen entstanden. Das kann passieren. Nebst nötigen Sofortmassnahmen ist es wichtig, sich klar zu werden über die Konstellation und die Stärke des Konfliktes. Ist es ein latenter Konflikt? Ist es Etwas das nur wenigen bekannt ist jedoch auszubrechen droht? Ist der Konflikt bereits ausgebrochen, hat jedoch noch keinen sichtbaren Schaden angerichtet? Ist der Konflikt bereits heiss, es wurden schon verschiedene Stellungen bezogen und Menschen beginnen «dafür» oder «dagegen» zu kämpfen? In welchem Ausmass? Droht ein Krieg, eine Epidemie des Konfliktes, also ein übergreifen auf andere Organisationen?
Nach den Bemühungen richtig zu handeln und die, aus welchen Ursachen und von wem auch immer, falsch gelaufen sind, kommt nun die Konfliktbewältigung.
Das Wichtigste dabei ist nun eben die Erkenntnisse über die Liebe nicht zu vergessen.
Anhaltspunkte in der Hitze des Konfliktes können folgende Merksätze bilden:
- Handle immer aus Liebe
- Handle darum nie aus Rache. Rache ist tote Energie.
Alles was Du tust soll:
- nützlich sein
- gut oder schön sein
- ehrlich und wahr sein
Das sind vier Punkte, die gut an einer Hand abzuzählen sind. Wobei der erste eigentlich schon genügen würde. In Rio de Janeiro gibt es beim Hafen,an bester Lage, ein Gerichtsgebäude. Dort ist eine Bronzestatue aufgestellt, die zwei Gesetzestafeln hält. Es sind statt der Zehn Gebote nur drei drauf: Amar, Amar, Amar …
Die Gute Absicht erfordert nun auch den entsprechenden Ausdruck in der Verständigung.
Es geht in erster Linie um Information. Um ein weiteres Anheizen von Konflikten zu vermeiden, ist es sinnvoll die Beteiligten nicht zu kritisieren und zu verurteilen. Grundsätzlich ist darauf zu achten, jegliche Sätze mit direkten Anreden zu vermeiden. Weder «Du», «Sie», «Ihr» oder «Dein» und ähnliches sollen darin vorkommen. Das kann zu sehr lustigen Texten führen, wo eben all diese direkten und indirekten Anreden weg gelassen werden. Die Idee ist natürlich, auch den Inhalt, den Gedanken dahinter anzupassen. Es bringt nichts, in einem Hexenkessel der Schuldzuweisungen, eines heissen Konfliktes, plötzlich eine andere Sprache zu verwenden und die Schuldzuweisungen nun «durch die Blume» zu machen.
Liebe, Respekt, Friede und Gerechtigkeit können nicht gefordert werden. Es kann niemand zur Liebe gezwungen werden. Liebe ist etwas das passiert, das geschieht. Wir lieben etwas, das uns Erfüllung bringt. Etwas grossartiges. Dasselbe gilt für Respekt, Friede und Gerechtigkeit. Liebe kann nicht eingefordert werden. Liebe kann nur gegeben werden, klarer ausgedrückt «verschenkt» werden. Auch Respekt, Gerechtigkeit und Friede kann nur gegeben werden. Wobei bei der Liebe unterschieden werden kann. Die Liebe hat viele Namen und ebenso viele Bedeutungen und Wirkungen. Das Verliebtsein kann der Beginn einer langen Freundschaft sein. Es ist die Liebe von zwei Polen zueinander. Die unpersönliche, bedingungslose Liebe ist ein Bewusstseinszustand in dem sich die Gegensätzlichkeit auflöst. Es ist wohl der höchste Bewusstseinszustand der möglich ist.
Es ist unmöglich zu dieser unpersönlichen Liebe gezwungen zu werden. Werden die Mitteilungen in jeder nur erdenklichen Form von Konflikten und der Umgang damit aus dieser Liebe geschrieben, tragen sie bestimmte Signaturen. So können Konflikte innert kürzester Zeit beigelegt werden. Dies auch ohne ein einziges Mal das Wort «Liebe» zu schreiben.
In Mitteilungen kann darauf Verzichtet werden Beteiligte zu verurteilen, zu kritisieren, zurechtzuweisen und Befehle zu erteilen. So gibt es keine Möglichkeit zur direkten Opposition. Statt dessen ist es Sinnvoll die Mitteilungen vom Persönlichen ins rein Sachliche zu erheben. Wenn nun noch daran gedacht wird, Respekt zu geben, wohin auch immer die Mitteilung adressiert ist, gehen kann oder gehen wird … so ist ein grundsätzliches Wohlwollen sicher. Ist die Mitteilung auch ehrlich und wahr, also kein Täuschungsmanöver, so ist die erfolgreiche Konfliktbewältigung sehr wahrscheinlich.
In diesem Sinne können auch klare Anweisungen mitgeteilt werden, eingebettete sowie angekündigte. Das kann in sehr kurzen Memos geschehen, wenn diese in diesem Geiste verfasst werden.
Im alltäglichen Leben geschehen unzählige Momente wo diese Art der Verständigung angewendet werden kann. Zwei Situation sollen als Beispiel dienen.
In einem Restaurant bestellt jemand eine Suppe und sie wird kalt serviert. Es wird etwas in einer gewissen Erwartung bestellt und es wird nicht das geliefert, was erwartet wird. Eine klassische Szene. Die Person, die bestellt hat, staucht die Person, die geliefert hat, zusammen: «Die Suppe ist kalt! Was ist das für ein Laden hier, das bezahle ich nicht!». Sie geht also davon aus, dass dies Absicht war. Eine kultivierte Person sagt vielleicht: «Diese Suppe ist kalt, ich möchte eine heisse Suppe.» Das ist an sich eine klare Information. Eine Dritte Möglichkeit ist: «Bitte, lassen sie die Suppe nochmals aufwärmen, sie ist kalt geworden.» Das beinhaltet zwar eine klare Anweisung oder Bitte, jedoch weg von der Person die sie gebracht hat. Es geht nur noch um die Suppe und die Dienstleistung die erbracht wird. Es steht keine Schuld im Raum. Suppen werden einfach kalt. So kann die servierende Person selbst den Fehler ausbügeln.
Ein Kind rennt Richtung Strasse. Nicht der richtige Moment tiefgreifende philosophische Gedanken zu pflegen. Auch nicht der Moment zu überlegen wie man nun eine Mitteilung formuliert um niemandem zu nahe zu treten. Doch es ist der richtige Moment bewusst zu handeln. Ein kurzes, wirkungsvolles «Stopp» genügt. Wenn nötig verbunden mit einer Handlung um das Kind zurückzuhalten. Es kann darauf verzichtet werden, das Kind in aller Öffentlichkeit zurecht zu stauchen. Zudem sind ein paar Gedanken nützlich, wie die Kinder spielen, und wie die Wege verlaufen um zukünftig solches zu verhindern.
Obwohl es sich um alltägliche Situationen handelt, drücken die vorgeschlagenen Mitteilungen den Respekt vor der Integrität der betreffenden Person aus, die absichtlich oder unabsichtlich einen «Fehler» macht, oder nicht nach unserer Erwartung handelt. Das ist immer möglich. In jeder Situation. Das wird allzu oft vergessen und es entstehen dadurch neue Konflikte.