Stalker von Andrei Tarkowsky

Drei Männer machen sich auf den Weg. Ihr Ziel ist ein Raum, in dem die Wünsche in Erfüllung gehen. Allerdings ist der Weg dorthin nicht einfach, denn er führt durch die sogenannte «Zone». Ein launisches, lebendiges Gebiet rund um diesen Raum.

Die Namen der Männer werden nicht genannt. Sie werden nach ihren Berufen bezeichnet. Der Schriftsteller, der Physik Professor und der Stalker. «Stalker» hat, nebst der uns bekannten, eine zusätzliche Bedeutung. Es bedeutet auch «Scout», also «Pfadfinder». Er fühlt sich verpflichtet, immer wieder Menschen, durch die Zone, zu dem Raum zu führen. Er nennt sie die Einsamen, die Hoffnungslosen.

Die Bilder des Filmes sind anfangs monochrom in Sepia. Das ist ein bräunlich getöntes Schwarzweiss, in welchem die Bildinformationen durch den Hell- und Dunkel-Unterschied entstehen. Das erinnert an den Film «The Wizzard of OZ» (1939), der auch umrahmt ist von Sepia und einen farbigen Mittelteil hat. Das Land «over the Rainbow» ist in Technicolor gehalten.

Schwarzweiss oder Hell zu Dunkel mit den verschiedenen Abstufungen ist einer der Bewusstseinszustände in denen wir Leben. Es ist das Reich der Gegensätze die sich wandeln. Es ist das Reich des Gesetzes, der Urteile, der «Irrgarten der Entscheidungen» oder das «Labyrinth der Welt» wie es Comenius nannte. In der Bar, aus welcher die 3 starten, hat es zwei Neonröhren. Die eine blinkt, sie erinnern an Yin und Yang aus dem «I Ging». Es ist die binäre Welt, die bipolare Welt.

Die 3 kämpfen sich erst durch das Labyrinth und brechen im Windschatten eines Transportzugs in die «Zone» ein. Darauf folgt eine lange Fahrt auf einer motorbetriebenen Schienen-Draisine. Schienen erinnern an Leitern.

In der Zone angekommen wird der Film farbig. Sehr dominant ist dabei die grüne Farbe, da alles überwuchert ist.

Der Eintritt in die Zone scheint unspektakulär.

Stalker erzählt von Blumen die man nicht riechen kann, von zertrampelten Blumen und von Blumen im Tal. In dieser Zeit ist der Physiker damit beschäftigt an 3 Bienenwabenförmigen Schraubenmuttern je ein weisses Band, gleichsam den Schweif eines Kometen, anzubringen. Diese drei Kometen werden dann zur Navigation benutzt. Sie werden in eine Richtung geworfen und wenn sie unversehrt landen, folgen die 3 Männer dem Kometen nach … Die drei Schraubenmuttern werden insgesamt 6 Mal geworfen. Siebenmal werfen sie Etwas um zu schauen ob der Weg frei ist, doch einmal werfen sie einen Stein … in den Tunnel …  anstelle der Schrauben. Die Schraubenmutter weist auch auf die 3 Farbschichten des Farbfilmes hin mit welchen die 6 Farben von Newtons Farbkreis gebildet werden, zusätzlich zu Hell und Dunkel.

Was sind die Schrauben, die Blumen? Es ist eine Referenz zum Hohelied der Liebe von Salomon. Es ist dort von zwei Arten von Blumen die Rede einer Art Narzisse, das ist die sechsblättrige Blume und einer Art Rose, das ist die Zwölfblättrige. Wo die Erste farblos ist, hat die Zweite abwechselnd rote und weisse Blätter. Die Zentren der Blütenblätter der sechsblättrigen Blume miteinander verbunden, bilden ein gleichseitiges Sechseck, genau die Form der Schraubenmuttern. Diese Sechsecke wiederum sind die drei tragenden Elemente aus denen der Lebensbaum aufgebaut ist. Mit 3 ineinander greifenden Sechsecken und den 22 Pfaden dazwischen. Wer genau schaut, wird, nebst der Rune Nodiz,  den Baum der Erkenntnis auch in dieser Szene entdecken.

Nachdem sie die ersten Schritte gewagt haben und sich in der Zone fortbewegen können werden nacheinander verschiedene Zitate aus Büchern durch eine Stimme aus dem Off vorgelesen: Hermann Hesse «Das Glasperlenspiel», «TAO the King» von Laotse, zwei Stücke aus dem neuen Testament, das Geschehen zu Emmaus und aus der Offenbarung des Johannes. Zudem taucht ein schwarzer Hund auf, der sehr an Anubis erinnert.

Es ist eine sehr grosse Herausforderung all die kleinen Details und Zusammenhänge zu erforschen. Das ist der Wert dieses Kunstwerkes. So bescheiden und unspektakulär es an der Oberfläche daherkommt, umso gewaltigere Fragen wirft es auf.

Nichts weniger als die Tora, die Kabbalah, der Taoismus, Buddhismus das Christentum, die Ägyptische Mythologie und irgenwo wird der Hellenismus auch noch sein (wo, wenn nicht in einem Dialog über das abstrakte Denken zwischen Schriftsteller und Physiker) … werden raffiniert miteinander verwoben. Tarkovsky ist unser «Stalker».

Es ist eingentlich ein Verrat an den Schöpfern und dem «Magister Ludi» des Werkes, solche Dinge auszuplaudern. Solche Werke sind dazu da, entdeckt und erforscht zu werden und dadurch immer tiefer in die Zusammenhänge der Geistesgeschichte und den «Sinn» des Lebens einzudringen.

Gleichsam wird der Geist dadurch erhoben. Sokrates beschreibt dies so: «Also wäre die höchste Form der Lust diejenige, die der erkennende Teil unserer Seele geniesst, und das Lustvollste Leben hätte der Mensch, in dem dieser Teil die Oberhand hat.» (Platon, Politeia, 9. Buch X).

Ist das getan, ist man all den Fallen ausgewichen und hat den Weg durch die Mitte dieses Tales, «Perceval», genommen, erreicht der neue Stalker, wir Filmschauenden, eben diesen Raum. Der Weg führt vorbei an sieben Leuchtern durch eine enduristische Röhre (genannt meat mincer, Fleischwolf), über die Taufe im Jordan in die Wüste der 3 Versuchungen. Erst in der Wüste ist der Brunnenschacht, in welchen ein Stein geworfen wird. Darauf ertönt daraus heraus, zeitlich viel vorher, nämlich zu Beginn des Zweiten Teils, eine Stimme. Es ist das Hesse Zitat und beantwortet die Frage, die der Schriftsteller in der Wüste (nach der Szene im «meat mincer» …) hat, folgendermassen:

«Was du Leidenschaft nennst, ist nicht Seelenkraft, sondern Reibung zwischen Seele und Aussenwelt..»

Die Protagonisten, der Körper (Physiker), der Geist (Schriftsteller) und die Seele (der Stalker) gehen nicht in den Raum … Doch die Kamera fährt in den Raum, in den honigfarbenen Glanz und nimmt uns zuschauenden mit. Wir sind im Raum und schauen von drinnen nach draussen …

Jede Kameraeinstelllung in dem Film ist ein Kunstwerk für sich. Zusammen mit Fahrten und Abfolgen erweitert um eben die Zeit, die vierte Dimension, die erst Mitte des 19. Jrh. bekannt gemacht wurde.

Die Erzählkunst besteht darin, ähnlich wie im zitierten «Glasperlenspiel» von Hermann Hesse, Elemente aneinander zu reihen. Erst durch die Konstellation der Erzähl-Elemente erfahren betrachtende die Geschichte.

Die Zone entstand durch etwas das als Meteorit benannt wird. Trévrizent beschreibt im Parzifal den Fall des Luzifer. Er reisst ein Stück reinen Gestirns mit sich und das fällt auf die Erde. Der sogenannte Himmelsstein oder Lapis ex coelis oder Lapis Excillis. Das ist eine Ansicht des Grals.

Eine Andere Ansicht ist der Raum selbst, der Kubus mit den sechs räumlichen Ausdehnungen, der in ein Sechseck gezeichnet werden kann. Der Kubus der aufgefaltet ein Kreuz bildet … Das Geheimnis des Kubus ist sein Mittelpunkt. Der Mittelpunkt ist nicht Schnittpunkt sondern Ausganspunkt der Zeiträumlichen Ordnung. Im Mittelpunkt, der physikalisch nicht auszumachen ist, liegt der Durchgang. Daraus strömt gleichsam ein goldenes Licht hervor.

Ganz am Schluss des Filmes sieht man die 4. Wand im Schlafzimmer des Stalker … es ist eine Wand voller Bücher … der scheinbar einfältige, naive Diener ist in Wirklichkeit äusserst belesen … Man erinnert sich an den «Diener Leo» aus Hesses «Morgenlandfahrt».

Was die Oper «Die Zauberflöte» uns erzählt

12.10.2019

In diesem Text werden ein paar Gedanken zur Geschichte gemacht und er kann das Lesen und Schauen oder Besuchen der Oper nicht ersetzen. Er kann eine Begleitung durch die Handlung bieten, ist aber nicht eine abschliessende Interpretation.

Es geht in der Geschichte um die Einweihung von Tamino in Begleitung von Pamina. Die Personen sind Stellvertretend für innere und äussere Vorgänge. Tamino ist die Vernunft von uns Menschen. Die Vernunft ist nur ein Aspekt unserer Persönlichkeit. Es ist jedoch der Teil, welcher mit dem Denken zu tun hat und uns mit dem Geist verbinden kann. Tamino kommt aus einem fernen, östlichen, Land …Wie Pamina die Tochter der Königin der Nacht ist, ist Tamino aus dem Geschlecht Sarastros. Es ist also die Vernunft, die den Einweihungstempel sucht. Tamino ist ein Schütze und hat einen Bogen ohne Pfeile. Durch die Schlange gelockt, verirrt er sich ins Reich der Königin der Nacht. Er bekommt das Bildnis von Pamina, der Tochter der Königin der Nacht zu Gesicht. Pamina ist die neue Seele die mit Tamino durch die Prüfungen über die ˂Chymische Hochzeit˃ zur Geistseele wird.

In der Zauberflöte werden 3 Tempel erwähnt. Der Tempel der Vernunft, der Tempel der Natur und der grösste, erste, der «Tempel der Weisheit».

Im 28. Auftritt wird es von zwei Geharnischten von einer Pyramide vorgelesen:

ZWEY MÄNNER
Der, welcher wandert diese Strasse voll Beschwerden,
Wird rein durch Feuer, Wasser, Luft und Erden;
Wenn er des Todes Schrecken überwinden kann,
Schwingt er sich aus der Erde Himmel an. –
Erleuchtet wird er dann im Stande seyn,
Sich den Mysterien der Isis ganz zu weih’n.

Erleuchtet wird er dann im Stande seyn,
Sich den Mysterien der Isis ganz zu weih’n.


Deutlicher kann es nicht gesagt werden. Um sich den Mysterien der ISIS ganz zu weihn ist die Erleuchtung Bedingung.

Sarastro ist im Besitz des «Siebenfachen Sonnenkreises». Das kann mit dem «Heiligen Geist» gleich gesetzt werden. Es ist etwas reines und strahlendes. Es ist das Licht der Weisheit. Als naturgeborene Menschen, die wir sind, solange wir nicht einen Einweihungsweg hinter uns haben, gleichen wir Papageno. Er ist der Naturmensch. Wie im Text der Zauberflöte geschrieben steht, will er gar nicht viel. Etwas zu Essen, Wein, eine Frau und lustige Stunden reichen ihm. Damit ist er schon zufrieden. Er weiss weder woher er kommt noch welches seine Eltern sind, noch hat er eine Ahnung über seine Bestimmung als Mensch, also wohin er gehen soll.

Manchen Menschen ist das nicht genug … sie wollen hinter die Schleier ihrer Bestimmung schauen. Sie wollen Wissen. Hier setzt die Zauberflöte an. In der Geschichte wird dieser Weg beschrieben. Es ist der Weg aus dem «natürlichen» Bewussstsein in das «geistige» Bewusstsein. Aus dem Feld, der Sphäre der grossen Gefühle und Leidenschaften hinaus in die Sphäre des Geistes, der Erkenntnis, die mit dem «Siebenfachen Sonnenkreis» angedeutet wird. Papageno und Tamino kennen wir also gut, wir sind beides.

Es geschieht eine Veränderung während dieser Einweihung. Die Sphäre der Weisheit, des Wissens ist «hermetisch» abgeriegelt. Mit dem Naturbewusstsein können wir nicht durchdringen. Ein Umstand den die Königin der Nacht, die in der Musikgeschichte berühmte Arie «Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen», singen lässt. Ganz etwas anderes singt Sarastro als er auf Pamina trifft. Dazwischen ist der berühmte und viel diskutierte sogenannte «Bruch» in der Geschichte.

Es ist das chronologisch nächste Lied. Es verdeutlicht sehr klar den Unterschied zwischen den zwei Sphären in denen «die Zauberflöte» spielt. Die erste Zeile lautet: «In diesen Heil`gen Hallen kennt man der Rache nicht». Denn Erkenntnis lässt uns verstehen. Präziser kann der Kontrast der zwei Spähren kaum ausgedrückt werden als mit Arie 14 «Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen» und Arie 15 «In diesen Heil´gen Hallen kennt man der Rache nicht»

Verschiedene Charaktere erzählen die Geschichte dieser Verwandlung. Tamino den man die «Vernunft» nennen könnte, Sarastro als die «Weisheit» – das Ziel der Reise, Papageno, der Naturmensch, die Königin der Nacht, welche die Astralsphäre wo Emotionen, Triebe, Sinnlichkeit und Leidenschaften angesiedelt sind, darstellt. Das Reich der «Königin der Nacht» ist das Reich der alten Einweihungen der Naturmagier.

Es treten drei Paare in der Geschichte auf. Tamino und Pamina, Papageno und Papagena und als Gegensätze von Licht und Finsternis: Sarastro und die Königin der Nacht. Dann ist da noch der Moor Monostatos. Es geht natürlich nicht um seine Hautfarbe oder dass dunkelhäutige Menschen irgendwie schlechter oder böser sind als hellhäutige. Es geht um die Dunkelheit als Kontrast zu Pamina und Sarastro. Monostatos steht für das Ego. Er ist zwar im Dienste des Sarastro, versucht doch immer mal wieder was für sich zu erhaschen. Das Ego ist überall – sogar um den Tempelkomplex, doch es darf nichts für sich beanspruchen. Es muss wirkungslos werden und sich dem Dienst Sarastros, der Weisheit ergeben. Doch das Ego nimmt Pamina und Papageno gefangen und sogar Tamino. Monostatos wird darauf von Sarastro gemassregelt.

Das tönt nach etwas Strafe, nach gehorchen und befehlen. Doch das ist nicht so. Die Weisheit, «Sarastro», das geistige Licht befielt nichts. In seinem Licht erscheint alles klar. Es ist die Erkenntnis. Scheint das Licht in unserem Wesen, erkennen wir in welchen Zuständen unsere Mitmenschen sich befinden und können dann auch helfen, ohne dass sie das persönlich wahrnehmen. Doch das Ego ist selbstsüchtig und will alles für sich, darum sondert es sich vom Licht ab und verbrennt sich, wird schwarz. Wenn Sarastro Monostatos 7×7 Streiche auf die Fusssohle verabreichen lässt so wird angedeutet, dass Monostatos, das Ego, sich selbst verbrannt hat am siebenfältigen Sonnenkreis. Er wird zurückgestossen wohin er gehört.

Natürlich wechselt Monostatos dann als Verräter das Lager und führt die Königin der Nacht in die Tempelanlage. Was soll er sonst tun. Erscheint jedoch Sarastro, so wird es «Licht» und der Spuk endet sofort. Das ist die Macht des «Geistigen Lichtes» im Menschen. Das ist die Erleuchtung.

Das ist das Sonnenreich des Geistes im Kontrast zur Astralsphäre des Glaubens.

Der Naturmensch, der wir noch sind, braucht nicht viel. Er fängt ein paar Vögel, liefert sie ab und kriegt dafür Nahrung. Das ist der Lauf der Dinge. Will der Mensch jedoch am Geiste Anteil haben, wird er sich aus der Sphäre der «Königin der Nacht» wo all die Emotionen, die «Sinnlichkeit», die «Empfindungen» und der Glaube angesiedelt sind, heraus kämpfen.

Da ist das Phänomen der Verschwörungstheorien angesiedelt … der Naturmensch hat Angst vor der Weisheit, vor dem Licht des Geistes. Er kennt es nicht. Er empfindet Hass. Treffend dargestellt in der erwähnten Arie «der Hölle Rache …» und der Szene davor. Der Emotionale Mensch hat Angst vor dem Verstandes-Mensch und was der da macht ist ihm unheimlich. Wenn er ihn fassen kann sperrt er ihn ein und martert ihn aus Hass und Verzweiflung um etwas Anteil zu haben an dem Licht. Das widerfuhr den Manichäern und während der Zeit der Inquisition den Katharern. Das geistige Licht Christi wurde durch die Verfolger in die Erde gerichtet anstatt umgekehrt. So konnten diese Verbrechen begangen werden, die im kompletten Widerspruch zur Christlichen Botschaft stehen. Der neue Wein wurde in die alten Schläuche gefüllt bis sie platzten. Das machte es nötig, eine neue Methode entstehen zu lassen und es entstanden als Antwort auf diese Verbrechen die Renaissance und Reformation. Begleitet von den exakten Wissenschaften. All den Entdeckungen seitdem, auf der Erde, über der Erde und im Geiste.

Es gibt noch die vier mal drei Gehilfen: die drei Damen im Dienste der Königin, die drei Knaben als Hilfe für Tamino, die drei Priester im Dienste Sarastros und die drei Sklaven unter der Macht von Monostatos. Es sind 22 Personen total, den Sprecher im Tempel eingerechnet.

Nur wer sich die Mühe nimmt, an die Pforte des Tempels der Weisheit klopft und eine prozessmässige Umwandlung seiner Persönlichkeit zulässt und erlebt, kann diese Botschaft richtig verstehen. Vorher sind wir als Menschen hoffnungslos. Solange wir uns ärgern, Wut, Hass, Freude und Leidenschaften spüren können wir ganz sicher sein, noch nicht angekommen zu sein.

Monostatos imitiert die Weisen, schleicht sich in den Tempel rein. Das Ego tut immer so als sei es schon angekommen. Es ist schlau. Ummantelt sich gerne mit Humanismus und kleidet sich weiss und spielt erhaben «wichtige» Rituale. Darüber lacht der «Erleuchtete». Der «Naturmensch» wird aber dadurch getäuscht und verführt.

Es gibt Menschen, die sind auf dem Pfad ohne es zu wissen, es gibt Menschen die können stundenlang über den Pfad sprechen ohne den kleinsten Schritt darauf zu tun und es gibt Menschen die desillusioniert sind, komplett ernüchtert sich wieder finden und wissen, dass sich was ändern muss in ihrem Leben. Alle diese Personen die in der Zauberflöte auftreten sind in uns … Der Einweihungs-Pfad ist ein Bewusstseinswechsel … ein innerer Weg.

Durch selbst erlittenes Unrecht kann der Wunsch in uns auftauchen, die Sehnsucht, selbst gerecht handeln zu wollen. Es stellt sich dann die Frage: «Was ist Gerechtigkeit»? Um diese Frage beantworten zu können sind wir mitunter ein Leben lang beschäftigt. Um gerecht handeln zu können ist Weisheit Voraussetzung. Wenn wir aus Weisheit handeln, können wir gerecht handeln. Warum gelingt es uns also nicht gerecht zu handeln? Was ist «Weisheit»? Warum erwischen wir uns immer wieder wie wir in Streit geraten, Kriege anzetteln unsere Kinder und Lebenspartner schlecht behandeln weil wir selbst unter Druck geraten sind durch alle möglichen Umstände unseres Lebens?

Weil wir nicht aus Weisheit handeln sondern aus unseren Natur-Trieben.

Trefflich ist der Schluss der Oper, der Bauriss des Tempels:

SARASTRO
Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht,
Zernichten der Heuchler erschlichene Macht.

CHOR VON PRIESTERN
Heil sey euch Geweihten! Ihr drangt durch die Nacht,
Dank sey dir, Osiris und Isis, gebracht!
Es siegte die Stärke, und krönet zum Lohn
Die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron‘.

All die oben erwähnten Aspekte sind Thema der Oper, wenn man sie mal unter diesem Gesichtspunkt anschaut, kann, ob von Mann oder Frau … , sehr viel daraus erfahren werden. Nützlich ist sie doch nur den Lesenden und Hörenden, die durch inneres Drängen verstehen wollen. Die bereit sind sich zu ändern, an die Pforte zu klopfen und die Worte zu hören: «Wo willst du, kühner Fremdling, hin?».

Der Tod des Kreuzes

2018 Brasilien

Für umgerechnet 2 Franken steht eine mächtige Kokosnuss auf dem wackeligen Plastik-Tischchen vor mir. Obwohl Palmblätter über mir rauschen und auch eher kleine Nüsse darunter zu erkennen sind, wurden die grünen Nüsse mit dem bekömmlichen Kokoswasser vermutlich von weit aus dem Norden Brasiliens an diesen Strand transportiert. Neben mir trinken Einheimische Dosenbier. Die Nüsse müssen nur zusamengelesen und transportiert werden. Keine Verpackung, keine Abfüllanlage keine Werbung – nichts. Paradiesisch fühlt sich das an, wär nicht der Dieselgeruch der Katamaran Fähre die gleich nebenan vom runden Terminal «Olymp» von Charitas in Richtung Rio de Janeiro losbraust.

Mit den Zehen im äusserst feinen, herrlich weissen Sand wühlend lese ich im Sonnenuntergang in Steven Hawkins Buch «A brief history of time». Ein Buch von 1988. Es wurde also vor 30 Jahren veröffentlicht. Anbetracht der 526 Jahre seit der Entdeckung Amerikas und nach denen ich es auch bis hier hin geschafft habe, bin ich da mit lesen noch früh dran.

Charitas scheint ein Stadtteil von Niteroí zu sein. In Nitroí gibt es das MAC Museum of Contemporary Art. Es ist Kreisrund und gemäss der Aussage des Architekten von einer Blume inspiriert. Mich erinnert die Form des Museums auch an einen Kelch, jedoch an den «Gral». Die Kunst und der «Gral» in Verbindung mit Gegenwart lässt mich erahnen welch tiefsinnige Botschaft von diesem Gebäude ausgeht.

Beim letzten Kapitel angelangt von dem Buch, von dessen Inhalt ich kaum etwas begriffen habe, beginnen meine Gedanken zu kreisen.

Das Universum ist vermutlich ohne Grenzen, also eine Kugel und entstand gemäss einer Theorie aus Blasen. Es gibt wohl verschiedene Zeiträume mit der konstanten Lichtgeschwindigkeit. So revolutionär wie einst Kopernikus die Planeten um die Sonne drapiert hat, büschelt Einstein die Zeit um die Lichtgeschwindigkeit. Ich stelle mir vor wie wir wirbelnd durchs All rasen mit relativen Zeitkonstanten wie alles sich bewegt und zueinander dreht. Bis hinein zu den winzigsten Photonen. Einzig der Verkehr auf den Strassen in Niteroí staut sich so, dass sich nichts mehr bewegt. Mit dem runden Katamaran-Terminal «Olymp» von Oskar Niemeyer wurde vor einem halben Jahr auch ein Tunnel eröffnet das die Gegend hinter dem Berg sozusagen mit der Zivilisation verbindet. Das führt zu Mehrverkehr der direkt auf ein Lichtsignal an einer Kreuzung am Eingang des nächsten Tunnels zufliesst.

Es gibt zwar zwei grosse Kreisel auf dem Weg dazwischen aber die nützen nichts, da der Verkehr an dem Lichtsignal staut.

Je mehr ich über die Kreuzung und die Geraden nachdenke umso unsinniger erscheinen sie mir. Auch die Quadratur des Kreises ist ja ein Witz. Wie kann man nur auf die Idee kommen so etwas vollkommenes wie einen Kreis oder eine Kugel hinunterzubrechen auf die Form eines Quadrates … Mit der Geraden zerschneiden wir den Kreis, zerstückeln ihn gleichsam. Und wenn das geschehen ist wollen wir die Bruchstücke mit der ganzen, ursprünglich perfekten Form wieder zusammenbringen. Es ist verständlich, dass sich da sogar die Mathematik dagegen wehrt.

Verkehrs- und Städteplaner werden sich wohl im Zangengriff von Politik und Wirtschaft täglich den Kopf darüber zerbrechen wie der Verkehr flüssig gehalten werden kann.

Es wird nicht gehen solange wir die Geraden und die Kreuzungen nicht komplett aus der Architektur verbannen.

Vermutlich muss sogar eine neue Geometrie, die grundsätzlich auf dem Kreis und nicht der Geraden aufgebaut ist, entwickelt oder etabliert werden, falls sie schon existiert.

Seit die Römer Jesus am Kreuz verdursten liessen und so brutal ermordet haben, schwebt das Kreuz, wie zwei sich kreuzende Damoklesschwerter über der westlichen Zivilisation.