Banu – es gibt keine zweite Chance

«Ich bin Chinesin» sagte sie in gebrochenem Deutsch, ohne danach gefragt worden zu sein, unvermittelt vor mir stehend. Ihr Blick ertappte mich. Es war einer dieser Momente von welchen ich schon viele verpatzt habe. Meistens durch unpassende Äusserungen oder unschickliches Verhalten. Das merkte ich sofort. Also hielt ich mich ganz still. Guckte ohne zu starren, lächelte ohne zu grinsen, sprach mit einer freundlichen Sachlichkeit, ohne mich anzubiedern.
«Ni-hao», sagte ich um Zeit zu gewinnen und die Unterhaltung auf eine «sophistcated small talk» Ebene zu heben. Es verschaffte mir etwas Zeit und Raum das zu erfassen, was gerade geschieht. «I’m trying to learn the sinograms.» Keine Ahnung warum ich plötzlich englisch sprach. Ihre Augen waren aus hellem Braun mit Grün. Sehr hell doch ohne kühle Note von Blau oder Grau.
Ihre Lippen, Rosa, leicht geschminkt, ohne Botox. Ihr Alter etwa zwischen 25 und 40, schwer zu sagen in dem kurzen Augenblick.
Ich versuchte das Chinesische in ihr zu entdecken. Die Augen waren leicht mandelförmig. Soweit es der Betrachtungswinkel zu erkennen erlaubte, hatte sie wirklich extrem schwarzes, dichtes, glänzendes, ganz gerades, sehr langes Haar. Ich wär gerne einen Schritt zurück getreten um sie zu betrachten. Doch siehe oben. Diesmal wollte ich den Moment nicht zerstören.
Sie war in modisches Hellbeige, in verschiedenen Schattierungen, gekleidet. Das unterlegte sehr vorteilhaft ihren Teint und ihre nahezu hellbeigen, ockerfarbigen, leuchtenden Augen.
Nebst dem Stillhalten, freundlichen Lächeln und krampfhaftem nicht zu starren, begann mein Vorstellungsvermögen hastig alle möglichen Kombinationen und danach auch die Erinnerungen durchzublättern, im Versuch, das Gesicht irgendwie einordnen zu können.
Ähnlich wie in amerikanischen Filmen Gesichterkennungsapps jeweils die FBI Datenbanken durchforsten.
Es erinnerte mich an ein Erlebnis, als ich in einer Meditation einmal alle meine Vorgänger oder alle Abkömmlinge eines wunderschönen Urbildes in rasendem Tempo sich abspulen sah. Es schien, als ob sie zwei Urbilder hatte.
Doch die Suche stoppte nirgends.
Ich fragte, ob sie aus dem Westen von China stamme. Weil dies näher bei Zentralasien liegt und sie eher mittelöstliche als südostasiatische Gesichtszüge hatte.
Sie erklärte, ihre Mutter sei Chinesin doch ihr Vater sei Iraner und sie sei dort auch aufgewachsen.
Iran – Zarathustra kam mir in Erinnerung und Ahura-Mazda. Das Licht der Erkenntnis. Sogar Pythagoras, so eine Legende, liess sich von Zarathustra unterrichten, nebst seinen ägyptischen Lehrern. Auch Juden, in freundschaftlicher Verbundenheit, auf hohem geistigen Niveau. Mani, der grosse Poet, wurde von Zarathustra und dem Christentum inspiriert- schoss mir durch die Gedanken. Marco Polo, so die Erzählung, soll noch intakte manichäische Gemeinden in China vorgefunden haben, assozierte es weiter. Bilder persischer Rosengärten und von zahllosen manichäischen Märchen durchzogen meine Gedankenwelt.

Die Begegnung geschah in der Woche nach dem «Zwölf-Tage-Konflikt» und ich versuchte irgendetwas in diese Richtung zu sagen, doch die unterschiedlichen Sprachkenntnisse liessen es nicht zu. Auch verwarf ich das Thema «Krieg» als unpassend. Siehe oben.
Keine Ahnung was sie veranlasst hatte auf mich zuzugehen.
Einmal fragte mich ein iranischer Kurde, aus dem kurdischen Laden an der Ecke, ob ich aus dem Iran stamme. Er hielt mich wohl anfangs für einen iranischen Spion.
Viele Leute haben beim Kennenlernen genauso Mühe mich einzuteilen. Womöglich machte auch dies unsere Begegnung besonders. Die Uneinteilbarkeit als Gemeinsamkeit und Vertrautheit.

Ich reichte ihr mein Degustationsprodukt, wich einen Schritt zurück um einen Einkaufswagen durchzulassen, drehte mich kurz und schon war sie weg. Eine von 670 Personen in diesen zwei Tagen am Vierwaldstättersee.

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Im Anfang war das Wort …

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.[1]
(Johannes 1, 1: Bibelserver.com , Luther 2017) ( wörtliche Übersetzung )

Als «Wort» wird im in griechischer Sprache geschriebenen «Original» «Logos» verwendet.
«Anfang» kann auch als «Ursprung» verstanden werden.

In dem Buch «Timaios» (31,32) von Platon ist folgender Satz zu finden:

«Das schönste aller Bänder ist nun das, welches das Verbundene und sich selbst soviel wie möglich zu einem macht; das aber vermag seiner Natur nach am besten ein gegenseitiges Verhältnis zu bewirken.
Wenn sich nämlich von irgendwelchen drei Zahlen oder Massen oder Flächen die mittlere zur letzten wie die erste zu ihr sich verhält, und so auch die letzte zur mittleren wie diese zur ersten, so folgt, indem die mittlere zur ersten und letzten wird und die letzte und erste beide zu mittleren, daraus notwendig, daß alle dieselben seien, indem sie aber untereinander zu demselben werden, daß alle eins sein werden.»

Weiter ist in dem Buch «Timaios» (27,28) folgende Aussage zu finden:

«Zuerst nun haben wir, meiner Meinung nach, dies zu unterscheiden: was ist das stets Seiende, das Entstehen nicht an sich hat, und was das stets Werdende, aber niemals Seiende; das eine, stets gemäß demselben Seiende ist durch Vernunft mit Denken zu erfassen, das andere dagegen durch Vorstellung vermittels vernunftloser Sinneswahmehmung vorstellbar, als entstehend und vergehend, nie aber wirklich seiend

Zudem steht im «Timaios» (29c) folgender Satz:

« … denn wie das Sein zum Werden, so verhält sich die Wahrheit zum Glauben.»

Daraus scheint ersichtlich, dass Gott, das «Sein», nicht erspürt oder erfühlt sonden nur «durch Vernunft im Denken» erfasst werden kann.

Weiter geht es im Prolog des Johannesevangeliums:

«Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.[2] 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. 6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7 Der kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeuge, auf dass alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. 9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen[3].»

Die Aussage scheint klar zu sein … Das wahre Licht wird das Denken im Menschen erleuchten. Das ist die Aussage im Prolog des Johannesevangeliums und die christliche Botschaft. Auch im Taoismus, Budhismus, Hinduismus ist das die Grundaussage. Im Judaismus und Islamismus wird es dasselbe sein.

Unterschiede bestehen in den Beschreibungen des Weges, die zu dieser Erleuchtung in Vernunft und Denken führen …

Im Grunde zählt nur, ob ein Mensch, egal welcher Herkunft, den Ursprung in Vernuft und Denken erfasst.

In diesem «erleuchtet» sein findet sich auch Wissenschaft und Kunst.

Nachtrag zu «Stalker»

Andrej Tarkowsky hat in seinen Filmen und auch in Interviews ausgedrückt, wie sehr er Leonardo Da Vinci schätzte oder gar verehrte. Nun fand neulich eine Freundin ein Buch am Strassenrand «gratis zum mitnehmen». Sie kannte mein Interesse für Kunst und schenkte es mir. Es handelt sich um die Italienische Ausgabe von «The unknown Leonardo» (©1974 by McGraw-Hill Book Co. (UK) Ltd. | © 1974 Arnoldo Mondadori Editore ‚LEONARDO‘). Auf Seite 64 ist eine interessante Skizze von Leonardo da Vinci abgebildet, die ich hier wiedergeben möchte.

Diese Seite ist ein Hinweis oder gar ein Schlüssel wie die erste Szene in der «Zone» verstanden werden kann. Auf was sich die «Blumen im Tal» und die Schraubenmutter beziehen. Wenn also Andrej Tarkowsky Leonardo da Vincis Werk studierte, sind ihm diese Zeichnungen kaum entgangen. Ein weiterer Schlüssel zu Tarkowskys Werk und ein weiterer Grund, sich intensiver mit Tarkowskys und Leonardo da Vincis Werken auseinander zu setzten.

Psychoirrational

Wahrnehmen, Fantasieren, Denken, Logik, Fühlen, Tag- und Nachtträumen, Intelligenz, Gedächtnis, Angst, Verstehen, Vernunft, Glaube, Hoffnung, Erinnerung.

Das Bewusstsein muss mit all diesen Begriffen fertig werden. Nicht selten werden da einzelne Elemente durcheinander gebracht. Da wird dann sehr detailliert ein Gefühlsausbruch analysiert obwohl es doch manchmal besser ist, jemanden einfach in den Arm zu nehmen und zu schweigen.

Es sind alles Begriffe von nicht materiellem sondern psychischem und geistigem. Doch, wo sind die Unterschiede genau? Wie arbeiten alle diese Elemente zusammen im täglichen Leben und wie sind sie in Ordnung zu halten?

Ein Fels steht einfach so da. Der bewegt sich nicht. Der hat keine psychischen Probleme. Tausende von Jahren kann der da stehen und die Umwelt verändert sich um ihn herum. Flüsse und Witterungsänderungen splittern feinste Körnchen über Jahrtausende hinweg ab und so können seine Mineralien in Erde gelangen und daraus können Pflanzen hervorwachsen. Nun werden die Mineralien Bestandteil von Leben, womöglich einer Mango. Diese Mineralien in der Mango, die vielleicht schon irgendwo in Zellen eingebunden sind, können durch Essen in den Körper und Verdauungsorgane einer schwangeren Frau gelangen. Womöglich geht alles gut und die Mineralien werden dem Fötus weitergegeben, um ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.

Mineralien werden vom Leben für seine sichtbare Existenz verwendet. All die Mineralien und Eiweiss-Moleküle, Kohlenstoffe sowie Mikroorganismen bilden einen recht schwierig zu verstehenden Organismus. Vieles von diesem Organismus Mensch ist erforscht und bekannt, über vieles wird gestritten weil von verschiedenen Standpunkten Forschung betrieben wird. Auch werden über fachliche Themen Machtkämpfe ausgetragen. Alles verständlich und menschlich.

Gebrannte Erde zu einer Tasse geformt und glasiert, kann durch einen biologischen Organismus Mensch mit voller Wucht an eine Wand geschleudert werden und seinen wohlgeformten Zustand in einen Scherbenhaufen ändern. Sie fehlt danach im Schrank.

Das Lehmlager aus dem der Rohstoff zur Formung der Tasse entnommen wurde, könnte auch über die Erde der Mango gedient haben zu wachsen und den Fötus zu ernähren der 30 Jahre später in einer Ehekrise die Tasse an die Wand, die teilweise auch aus dem selben Lager gebildet wurde, wirft. Sehr zur Verwunderung eines Piloten in einer fliegenden Untertasse.

Wird ein menschlicher Körper nach seinem Tod verbrannt, bleibt ein Häufchen der Mineralien in Form von Asche zurück. Lehm, Asche und dazwischen fliegen die Tassen.

Nebst den Mineralien ist offensichtlich noch anderes im Menschen vorhanden.
Es wird nach Dichtigkeit unterschieden zwischen Körper, das ist die Materie, Psyche, das sind die Gefühle und Geist, das ist das Denken. Dann gibt es noch die Übergänge, also die Stellen wo sich die verschiedenen Dichtigkeiten Begegnen. Zwischen Seele und Körper sind es die Empfindungen und zwischen Seele und Denken, Fantasie, Traum und Intuition und über dem Denken noch der Geist.

Da noch nicht alles darüber bekannt ist, und wenn bekannt offensichtlich noch nicht von allen verstanden wurde, ist diese Einteilung nur vorläufig. Ein Modell, ein Versuch, Welt und Mensch zu verstehen.

Empfindungen geben an ob etwas warm oder kalt, scharf oder süss, weich oder hart ist. Es sind Wahrnehmungen und Interpretationen wie die Materie beschaffen ist.

Beim Hunger wird es nun schon schwieriger. Ist es eine Empfindung oder ein Gefühl … Jedenfalls kann es durch Essen gestillt werden. Es wird als Trieb bezeichnet. Das sind Körperliche Funktionen die nach Handlung rufen. Wie auch der Sexualtrieb und womöglich der Bewegungsdrang. Schmerz ist eine Empfindung, hat eine klare Ursache wenn es um körperlichen Schmerzen geht. (Phantomschmerzen, also Schmerzen an amputierten Gliedern, sind Spezialfälle). Psychische Schmerzen können als Leid bezeichnet, sind also den Gefühlen zuzuordnen.

Rein psychische Eindrücke werden als Gefühle bezeichnet. Liebe, Freude, Angst, Hass, Trauer sind bekannte Gefühle. Diese Gefühle wahrzunehmen ist recht schwierig. Sie können einfach so auftauchen. Manchmal ist die Ursache ersichtlich und manchmal nicht. Jedes dieser Gefühle bietet weitgehenden Wertungsspielraum.

Dann kommt zwischen diesen Gefühlen die Fantasie, die Träume, Visionen und die Intuition aber auch Emotionen ins Spiel.

Weiter oben ist das Denken angesiedelt das auch aus verschiedenen Elementen besteht wie Nachdenken, erkennen, Intelligenz, Logik und verstehen.

Dann folgt noch die Vernunft. Sie ist der Masstab nach welchem gehandelt wird. Die Vernunft wird durch die Gefühle oft umgangen oder steht echt im Widerspruch dazu. Das macht es schwierig Menschen zu verstehen, aber auch sich verständlich auszudrücken. Die Schwierigkeiten entstehen vorallem durch die ungenauen Zuordnungen.

Vernunft sowie ‚der gesunde Menschenverstand‘ sind Teile der Weisheit.

Ab der Stufe der Psyche kann nichts mehr angefasst werden und entzieht sich somit den physikalischen Gesetzen.

Ob jetzt das Kaninchen schon im Hut war oder nicht, könnte man physikalisch nachweisen, aber den Vorgang der Überraschung darüber, ist recht schwierig zu erkennen.

Dann wäre da noch die zentrale Instanz, das ‚Ich‘-Bewusstsein. Das ist auch etwas das man nicht anfassen kann und trotzdem wirkt es und hat Einfluss, das ist eindeutig. Das Ichbewusstsein kann sich in ausgeprägtem Egoismus und praktizierter Selbstbehauptung ausdrücken oder es kann sich in einen grösseren Zusammenhang wie Volksbewusstsein, Religion oder Ideologie eingliedern.

Die Beschaffenheit des Ichbewusstseins hat entscheidenden Einfluss darauf, wie ein Mensch auf Ereignisse in seinem Umfeld und in seiner Persönlichkeit reagiert.

Diese Beschaffenheit bewirkt, ob die Tassen im Schrank bleiben oder an die Wand fliegen. Das ‚Ich‘ ist etwas lebendiges und je nach Ereignissen und Launen, kann es sich ändern. Es hat viele Facetten und kann Zustände annehmen, die oftmals überraschend sind. Soweit ist das bekannt und nicht eine besonders eindrückliche Erkenntnis. Die Frage ist natürlich, wie kommen diese Änderungen zustande und warum entgleist das Ichbewusstsein oftmals in Abgründe die unerwünscht sind.

Freunde, Bekannte, Verwandte und Fremde wissen immer bestens über unsere Persönlichkeit Bescheid. Auch wir wissen in der Regel bestens über die ‚Anderen‘ Bescheid. Jedenfalls meinen das die Leute. Wie steht es mit dem eigenen ‚Ichbewusstsein‘? Wie kann das ‚Ich‘ sich selbst betrachten und beobachten?

In unserem Bewusstsein gibt es ein Regelwerk das die Beurteilung liefert was ‚richtig‘ und was ‚falsch‘ ist. Wenn die Beschaffenheit des ‚Ichbewusstseins‘ also angeguckt wird, ist es unumgänglich dieses Regelwerk fein säuberlich auseinander zu falten. Vor allem die Betrachtung der Widersprüche darin kann sehr aufschlussreich sein. Woher kommen diese Ansichten über richtig und falsch? Ist es überhaupt richtig sich dauernd dem Stress der Beurteilung von allem und jedem auszusetzen?

Beim Ichbewusstsein ist auch die Antwort auf die schonungslose Frage ‚Wer bin ich‘?

Triebe, Empfindungen, Gefühle, Glaube, Emotionen, Wissen, Intelligenz und Vernunft haben also eine zentrale Instanz die alles einteilt und eine Schnittstelle bildet zwischen Ereignissen und Handlungen, basierend auf dem Regelwerk was als ‚richtig‘ und ‚falsch‘ begriffen wird. Es geht allerdings nicht alles durch das ‚Ichbewusstsein‘ sondern die verschiedenen Bewusstseinszentren des Körpers, der Seele und des Geistes können auch unbewusst wirken. Sie mogeln sich an der ‚Kontrollinstanz Ego‘, unserem kleinen, inneren Inquisitor, vorbei.

Verliebt sich also eine Frau in die Frau ihres Nachbars, so mag dies gegen das Regelwerk, die Moral, zwar verstossen, doch den Gefühlen oder Begierden entsprechen. Irgendwann übernehmen die Gefühle oder Begierden dann das ‚Ichbewusstsein‘ und von dem Moment an sagen sie was richtig und was falsch ist. Ein Mensch hat sich komplett verändert. Die Räder der Regelwerke der Bekannten und Freunde sowie der Verwandten beginnen intensiv zu drehen und liefern Ihre ungefragten Beurteilungen ab.

Im obigen Vorfall gibt es also einen Wechsel des Regelwerkes nach welchem das Ich handelt. Die Moral wird von den Trieben und Gefühlen verdrängt. Genau betrachtet sind ja beide Regelwerke noch vorhanden und aktiv, doch das eine hat die Überhand, ist am Drücker.

Gefühle sind also Vorgänge die nicht angefasst werden können. Sie sind psychisch. Obwohl sie sich physikalisch auswirken können. Ein froher Mensch zeigt sicher ein anderes Bewegungsmuster seines Körpers als ein depressiver Mensch. Das ist offensichtlich.

Sie sind materiell nicht erklärbar. Wie eingangs erwähnt hat ein Felsbrocken keine psychischen Probleme. Woher kommt also das Immaterielle?

Beim betrachten des Regelwerkes oder in anderem Wort der Moral oder Ethik, nach welcher Menschen mehr oder weniger konsequent handeln, tauchen Begriffe wie Glaube, Verstand, Vernunft, Intellekt und Weisheit auf. Auch das sagenumwobene Vorstellungsvermögen, die Fantasie und die Fähigkeit zu Träumen spielen da eine Rolle. Der Fels hat wohl keine psychischen Probleme doch er kann sich auch nicht vom Fleck bewegen er braucht keine Intelligenz und keine Visionen. Er wird über die Jahrtausende abgeschliffen und sonst passiert da nichts.

Lebewesen die sich selbständig bewegen können, entscheiden sich, fast bei jedem Schritt, in welche Richtung er gehen soll. Das Denkvermögen und die Fähigkeit zu abstrahieren sind nötig. Materiell sind die Auswirkungen solcher Vorgänge messbar doch der Beweggrund und die Absicht sind nicht Sichtbar. Man kann zwar einen Honigtopf in den Wald stellen und mit Sicherheit wird bald ein Heer Ameisen damit beschäftigt sein, diesen zu verarbeiten.

Zu den Gefühlen, die Lebewesen antreiben, sind nun also noch das Denken und die Träume hinzugekommen. Wie soll das nun bewertet werden? Was ist wertvoller? Der Felsblock oder die Lebewesen? Was war zuerst … Interessant wird die Frage natürlich in einem Zeitalter, wo künstliche Intelligenz aus Silizium-Bestandteilen, also aus fein gemahlenen Felsbrocken konstruiert werden. Wird die Intelligenz der neuen Technologien für den Weltfrieden ausreichen? Weltfrieden schliesst Weltdiktatur aus.

Intelligenz an sich ist ja wertfrei wie ein Hammer. Er kann zur Lebenssicherung und zur Lebenszerstörung verwendet werden, zur Selbstüberwindung oder zur Selbstbehauptung, je nach der psychischen Beschaffenheit des hammerführenden Menschen. So gesehen ist also Intelligenz noch nicht das was die guten Entscheidungen bewirkt, sondern die bewirken nochmals etwas Anderes.

Entsteht Geist aus der Materie oder entsteht Materie aus Geist. Entsteht das Leben aus dem Tod oder entsteht der Tod aus dem Leben …

Noch ist nicht genug bekannt um das richtig zu verstehen.

Nebst all den Begriffen, all den Elementen aus denen Menschen aufgebaut sind, kommt noch das Gedächtnis hinzu. Intelligenz, Wissen und die Vernunft sind Elemente die zum Denken gebraucht werden.

Kommt es zu einer Handlung ist immer die Frage: ‚was hat sie veranlasst?‘ Geschah die Handlung aus Reflex, geschah sie aus einem Gefühlsimpuls oder geschah sie aus Vernunft und wenn aus Vernunft, an welchen Werten orientierte sie sich.

Nebst dem Körper, als biologischem Wunderwerk sind also auch unsichtbare Elemente am täglichen Menschsein beteiligt, wie Gefühle, Gedanken, Gedächtnis und Intelligenz.

Vor allem das Gedächtnis, die Erinnerung ist eine sehr interessante Sache. Einen Knochenbruch, also eine Beschädigung an einem Körperteil, kann man gut nachweisen. Ein psychisches Trauma oder Angst ist nur über das Verhalten nachweisbar und so auch die Gedanken und Entschlüsse. Wer mag sich nicht ab und zu tagsüber an Träume in der letzten Nacht erinnern. Wie ist so etwas möglich? Da muss doch ein Träger da sein worin diese Erinnerungen abgelegt werden und wieder zurückerinnert werden können.

Dasselbe mit Angst. Orte oder Düfte können panische Reaktionen auslösen (triggern)ohne dass da wirklich etwas zu sehen ist. Menschen die einem ohne Grund sympathisch oder unsympathisch sind. Manchmal liegt einem ein Name oder eine Bezeichnung auf der Zungen und es kommt nicht ins Bewusstsein. Doch unerwartet, nach einer gewisse Zeit, ist es klar in der Erinnerung. Es scheint einen nicht-physikalischen Stoff zu geben in welchem die Erinnerungen abgelegt werden. Plasmaähnliche Schwingungsblasen die in der Luft umherschwirren und mal da und mal dort sind. Grosse und kleine Blasen von denen Wirkungen ausgehen und die mit empfindlichen Organen des Menschen verbunden sind.

Es scheint also ein sehr feinmaschiges Netz von Schwingungen zu existieren die Formen bilden. Felsen haben einen recht langsamen Rhythmus des Entstehens und Vergehens. Menschen einen etwas kürzeren, Eintagsfliegen noch kürzer und Gefühle und Gedanken haben eine extrem schnelle Schwingung.

Kürzere Schwingungen können die längeren Messen und beobachten doch längere können kürzere Schwingungen nur ungenau messen. Das sieht man am Zahlensystem. Mit der Eins kann jede rationale Zahl beschrieben werden, doch mit dem Dreier-Rhythmus kann der Zweier-Rhythmus nur ungenau abgebildet werden. Man kann auch nicht mit einer 2 Meter langen Latte, ohne zusätzliche Unterteilung, Millimeter abmessen. Das leuchtet ein. Sind die geistigen Schwingungen also die kürzesten, so können mit diesen alle anderen beobachtet und gemessen werden. Womöglich sind die geistigen Schwingungen auch die Basis aller gröberen Schwingungen und die gröberen Schwingungen sind wie die grösseren Zahlen in der Zahlenreihe. Der Geist könnte so die Eins sein, Gefühle etwa die 100 und messbare Materie 10’000. Wie es sich genau verhält ist eine genau Untersuchung wert. Ich meine, es gibt auch solche Berichte, habe sie momentan jedoch nicht zur Hand. Also handelt es sich nicht um eine sehr neue Sache …

Jetzt bin ich zu müde um genau zu herauszufinden warum nun die Tassen zum Erstaunen des Piloten in der fliegenden Untertasse durch die Luft fliegen. Aber sie tun es, das habe ich selbst erlebt.

星期日早上

«Do you know Bliss»?, fragte ich. «Ignorance» kam die Antwort von meiner kalifornischen Freundin. Ihre Muttersprache ist Ivrit, meine ist Deutsch. Ich weiss nicht was ich mit der Antwort anfangen soll. Manchmal sagt sie unerwartetes. Hat sie es nicht verstanden oder will sie das Geschriebene erweitern oder mit anderen Themen verknüpfen? Ich bin nicht besser. Unsere Chats beginnen oft mit zufälligen Messages. Aus dem Moment heraus entwickelt sich dann das Thema. Was uns beschäftigt kondensiert an einem akausal eingeworfenen Wort, einer Bemerkung. Wir unterhalten uns jeweils auf Englisch. Wie bei den «Engeln» ist unsere Liebe rein platonisch.
In der Vorstellung wirkt sie auf mich wie aus frei schwebenden Salzkörnchen gebildet. Jedes dieser Körnchen leuchtet hell und ich stelle mir vor, sie brennen ein bisschen. Sie lebt in meiner Vergangenheit. Das ist auch oft eines unserer Themen. Kalifornien ist dort wo China im Westen liegt. Wir chatten gleichzeitig doch auf den kalifornischen Servern wird ihr chatlog Samstag 23 Uhr anzeigen, meiner Sonntag 8 Uhr. Manchmal albern wir nur rum. Da sagte sie einmal: «I push you tenderly away». Ich liebte die Vorstellung wie sie das tut, an einem Palmenstrand vielleicht und im Sonnenuntergang. Es war für mich erlebbar und in meiner Erinnerung spüre ich noch den leichten Stoss. Wir chatten nur miteinander. Keine gesprochene Sprache. Sie könnte also auch ein Mann sein. Obwohl ich das mittlerweile aus schliesse. Dieses wegschubsen hat mich überzeugt. Es machte mich glücklich für einen Moment. Die Weise wie wir miteinander sprechen erinnert mich an Platons Reich der glückseligen. Aufgegangen in der Einheit des Bewusstseins. Komplett losgelöst von der bipolaren Wirklichkeit unserer Alltäglichkeit, der Welt des Streites.
Sie ist in Jerusalem aufgewachsen. Es erfüllt mich mit Ehrfurcht. So eine alte Stadt. Durch sie erfahre ich etwas von diesem «Jerusalem Spirit», diesem «Bliss».

«I am still sleepy», sagte ich und sie «i won’t stay here for long, my battery is almost empty and the charger downstairs and i’m laying already in bed.» «We chat till the battery die.» «Yes :)»

Letzthin spotteten wir über David Icke und seinen Reptilien-Wahn. Meine liebe Freundin passt in Ickes Definition eines «Reptils». Welche Seelenverkrampfung diesen Menschen dazu treibt solches zu behaupten ist mir unbekannt.

Es gibt ein paar verschiedene Verschwörungs-Paranoia Strömungen. Eine kommt von fanatisch gläubigen Römischen-Katholiken, die die Freimaurer und Illuminaten als das Böse der Welt bekämpfen, weil sie vermeintlich durch deren Bestrebungen, die Renaissance, Reformation und Aufklärung («Age of enlightement») ihre vermeintliche Macht über die Seelen unzähliger Menschen verloren hätten. Eine andere Strömung sind allgemeine fundamentale Strömungen jeglicher Religion, die in dem Irrtum leben, nur Sie alleine sind auserkoren. Dann noch politisch aktive Fanatiker, gezielte Desinformation («fake news») und gewisse «Pagan», Naturreligionen, die oft noch Verstand und Vernunft mit THC vernebeln. Es gibt auch alle Kombinationsmöglichkeiten. Ich kenne einen THC Konsumenten der rechtsradikal und fundamental Evangelisch ist. Die Leute des «Glaubens» – oder sagen wir besser der Meinungen, Vermutungen und Behauptungen, bekämpfen sich gerne gegenseitig. Ein sicheres Indiz für die Abwesenheit der Glückseligkeit. Doch wenn es darum geht den Verstand zu bekämpfen machen diese Strömungen der Angst und im Dienste der Paranoia, gerne gemeinsame Sache und bedienen sich gegenseitig an ihrem Fundus von Absurditäten.

Wie neulich, als vor 82 Jahren die Europäische Welt in den WW2 gezerrt wurde durch solch einen Fanatiker, dessen einzige «edle und erhabene Kulturleistung» war, Millionen von deutschen Männern enthusiastisch eines qualvollen Todes sterben zu lassen und jene Frauen im Osten Deutschlands, die den Krieg überlebten, von den wütend gewordenen Russen überfallen wurden. Einen Menschvernichtungswahn angezettelt durch Psychopaten. Und diesmal nur die Verbrechen am Deutschen Volk der «Dichtenden und Denkenden» betrachtend.

Das war (und ist es auch heute noch) «unter-tierisches» Verhalten hinter dem Deckmantel des «über-menschlichen».

Niemand will das. Warum lassen sich Menschen immer wieder gegeneinander aufhetzen?

Paranoia (altgriechisch, aus parà „wider“ und noûs „Verstand“; wörtlich etwa „wider den Verstand, verrückt, wahnsinnig“) verhindert Metanoia (von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ oder „nach“ „Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“). Definitionen aus Wikipedia.

Wo Paranoia also gegen den Verstand rebelliert meint «Metanoia» die «Tranformation» des Verstandes. Religionen sprechen natürlich von Bekehrung zu «Ihrem Gott» oder ihrem «Begriff von Gott». Doch das ist bereits eine Umdeutung und Interpretation. «Metanoia» bedeutet, dass sich der Verstand verwandelt und erweitert und dadurch etwas mehr erkannt werden kann.

Paranoia verhindert also Metanoia …

Verstand und sich verstehen ist eine grosse Sache.

Meine momentane Frage ist nicht mehr welche Sprache ich noch verstehen, das heisst, lernen will, sondern welche schlicht notwendig zu lernen ist. Stell Dir vor, eines Tages sagen Chipproduzenten: «wir schreiben unsere Computer-Chips nicht mehr auf Englisch an, mit lateinischen Buchstaben und arabischen Zahlen, sondern packen unsere Kreuzchen (chinesische Schriftzeichen) drauf». Vielleicht um gegenüber den Amerikanern Macht zu demonstrieren.

Als ich das nun schrieb kam mir in Erinnerung, dass dies ja schon der Fall ist. Eine der grössten Suchmaschinen der Welt ist ausschliesslich in chinesischer Schrift. Es ist Baidu.cn . Als ich die Webseite eines Kunden dort anmelden wollte, sass ich vor dem Computer und suchte verzweifelt den Button mit dem man auf englisch umstellen kann. Ich dachte, vielleicht ist das Wort ‚english‘ in witziger Weise auch in chinesischen Schriftzeichen gemalt … doch es gibt einfach keine englische, in lateinischen Buchstaben gehaltene Version. Was ja auch einleuchtet. Aus dem Versuch, ihn auf Google also ein bisschen hoch zu puschen, falls der Pagerank (wie Googles Algorithmus heisst), merkt, dass er sogar auf baidu drauf ist, wurde nichts.

«Charles Bliss» sagte ich, «der Erfinder der Universalschrift ‚Blissymbols’». Er litt unter der Unfähigkeit verschiedener Völker sich miteinander verständigen zu können weil sie unterschiedliche Sprachen sprechen. Er flüchtete vor den Nazis durch Kontakte nach Shanghai. Dort erkannte er, dass die chinesischen Schriftzeichen durch verschiedene chinesische Dialekte Sprechende unterschiedlich ausgesprochen, jedoch von allen gleich verstanden wurden. So wie Kindergartenschüler auf die Zeichnung eines Hundes zeigen und chièn, Hund, dog, cane oder das entsprechende Wort ihrer Muttersprache sagen.

Die chinesischen Schriftzeichen sind also gewissermassen schon eine Universalschrift.

Sie, wie auch die ägyptischen Hieroglyphen, sind Ideogramme die Grundsätzlich nicht mit der Aussprache verknüpft sind (die ägyptischen Hieroglyphen wurden, gemäss Rosetta Stone, teilweise auch als Buchstaben verwendet).

Anders ist es mit den Schriftzeichen die Laute bezeichnen und nicht Ideen. Die Alphabete sind Buchstabensysteme. Das Griechische, Hebräische, Lateinische, Arabische, Kyrillische, nebst Anderen und auch einige asiatische Alphabete bezeichnen durch ihre Buchstaben Laute. Das bringt es mit sich, dass dieselbe Idee, der selbe Begriff in jeder Sprache anders geschrieben wird. Im japanischen Schriftsystem gibt es nebst den Ideogrammen aus dem chinesischen Schriftsatz noch die Hiragana Zeichen, die eine ganze Silbe statt nur einen Laut beschreiben.

Wo also chinesische Schriftzeichen für einen Begriff stehen und unterschiedlich ausgesprochen werden, sehen die Begriffe in den lautgebundenen Alphabeten unterschiedlich aus. Die Verknüpfung von Buchstaben mit Bildern ist eine anderes Thema.

So wie mit gesprochener Sprache etwas mitgeteilt werden kann, so kann dies auch mit Schrift geschehen. Mitteilungssysteme können ganz verschiedener Art sein. Auch Tanz, Musik, Mathematische Formeln, Klopfzeichen sowie Gesang und Anderes können eine «Ortographie» «Syntax» und «Grammatik» enthalten. Auch Gefühle können unterschiedlich ausgedrückt werden.

«Kain hat Abel ermordet», wird gesagt … Abel hat «geglaubt» und sein «Rauch» wurde angenommen. Abel hütete Schafe. Darum gibt es wohl religiöse Führer die einen Hirtenstab halten.
Die Menschen des Glaubens können den Verstandesmenschen nicht «verstehen». Es ist ihnen unheimlich was die Menschen des Wissens so treiben. Der viel zitierte «Mord» an Abel war kein Mord … er ist mythologisch zu verstehen. Es ist ein psychisches Ereignis. Das «Wissen» überwindet den «Glauben». Hiram Abiff, der Meisterbauer des «Salomonischen Tempels» musste der Tempel-Legende gemäss einen neuen Hammer bei Tubal-Kain, im Erdmittelpunkt holen.
Kain hat Äcker bebaut und Vieh gezüchtet. Abel liess die Schafe alles abfressen und dadurch riesige, sich ständig ausbreitende Wüstengebiete entstehen. Kain verändert seine Umwelt. Er baut Strassen, Staudämme, Wälle gegen das Meer, sät, erntet, züchtet, konstruiert.

Baut der Kain Typus also einen Zaun um seinen Acker, damit die Schafe nicht alles abfressen, wird der Abel-Typus ausgeschlossen und kann womöglich nicht mehr durch das Tal zu den Weiden gelangen.
Kein Wunder lieben sich dies zwei Menschentypen nicht innig. Streit und Missgunst ist Vorprogrammiert. Schlicht und einfach durch die unterschiedliche Art das Essen zu besorgen.

In der aktuellen Zeit ist der Verstand vorherrschend, in nahezu allen Bereichen des Lebens. Das ist unschwer festzustellen. Doch trotz dieser Tendenz sind nicht alle Menschen gleich «gepolt» und werten den Verstand gleich wichtig. Angst, Panik, Liebe sind Gefühle die eher unlogisch – oder eben «psycho-logisch» sind (Psyche ist das griechisch Wort für Seele). Verstand, Logik und Psyche haben unterschiedliche Eigenschaften. Die Psyche wird oftmals als das genaue Gegenteil von Logik wahrgenommen. Missverständnisse entstehen, wenn Logik psychologisch und Gefühle logisch erklärt werden wollen. Das zu tun wird unweigerlich zu Verständigungsproblemen führen. Eine Suppe ist schwer mit einer Rohrzange zu fassen und ein Hochgeschwindigkeitszug wird kaum durch eine Nebelwand gestoppt. Die einen Menschen sind also eher Gefühlsbetont in ihrer Wahrnehmung und ihrem Ausdruck und die Anderen eher verstandesorientiert. Beides ist unterschiedlich aktiv vorhanden. Kunst ist, beides gleichzeitig bewusst wahrzunehmen.

Inzwischen beendete die Batterie den chat.

«Ignorance is a bliss.» sagte sie noch und ich fühlte mich nicht betroffen.

gnōthi seauton

Erkenne Dich selbst

Quelle: «Die Erschaffung Adams», Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Erschaffung_Adams#/media/Datei:Creaci%C3%B3n_de_Ad%C3%A1m.jpg

Einerseits sehen wir den etwas einsam dreinblickenden Menschen auf der linken Seite. Andererseits ist da ein Uralter, im Himmel schwebender, der einen seiner Arme um ein Wesen in einer roten Schale oder Ausbuchtung schlingt und gleichzeitig Cupido niederdrückt.

Der Erschaffer des Bildes, Michelangelo Buonarroti, ist als Künstler der Renaissance bekannt. Das Bild, so wird gesagt und belegt, stammt aus dem Jahr 1512. Das war vor 509 Jahren.

Die Renaissance steht für die Wiedergeburt. Wiedergeboren wurde die alte griechische Weisheit in die «Platonische Akademie» in Florenz um 1460 herum. Das Bild ist etwas neuer als «Die Geburt der Venus» von Botticelli, einem anderen bekannten Künstler der Renaissance.

Interessanterweise wird gesagt, die Frau die Modell stand für die «Venus», in jenem Bild, sei eine Verwandte von Amerigo Vespuci, der, so wird gesagt, erstmals feststellte, dass das kürzlich zuvor entdeckte Land nicht Indien, sondern ein eigener Kontinet sei. Damit erhielt der Kontinent auch seinen Namen. Es war auch die Zeit in welcher ein Herr Kopernikus (De revolutionibus orbium coelestium 1543) behauptete, die Erde kreise um die Sonne.

Vom Künstler «Michelangelo» sowie von «Leonardo Da Vinici» wird gesagt, sie hätten bereits exakte Untersuchungen des menschlichen Körpers vorgenommen. Dies schloss mitunter das Sezieren von Leichen (im verborgenen) wohl nicht aus.

So kann verstanden werden, dass die rote Ausbuchtung auf dem Bild wohl ein Gehirn sein kann. Es ist üblich dass Neuentdeckungen erst in Kunstwerken oder Texten versteckt werden um sie mit Freunden zu Besprechen oder Plagiatsvorwürfen zuvor zu kommen.

Da ist also ein «Mensch», ein «Uralter» und ein «Gehirn» miteinander verbunden.

Platon schreibt in seinem Werk «Politeia» auf Deutsch «Der Staat» (Über das Wesen der Gerechtigkeit) :

«Denke sie dir nun beide in zwei ungleiche Teile geteilt, als ob man eine Linie teilte.»

Mit «sie» sind die «sichtbare» und die «denkbare» Welt gemeint. Luca Pacioli (gestorben 1517), der Lehrer von Leonardo Da Vinci, nannte dieses Teilungsverhältnis «Divina Proportione» was heute unter «goldener Schnitt» bekannt ist.

Das wunderbare am goldenen Schnitt ist das Verhältnis des kleineren Teils zum grösseren und dasjenige des grösseren Teils zu der Summe der beiden Teile. Sie sind im gleichen Verhältnis … Das ermöglicht eine unendliche Verkettung von gross zu klein im gleichen Verhältnis. In diesem Verhältnis stehen «Himmel» und «Erde» zueinander.

Makrokosmos, Kosmos und Mikrokosmos sind so «wie oben so unten» miteinander verbunden, wie auf der «Tabula Smaragdnia» geschrieben steht. Die «Tabula Smaragdina» ist Bestandteil des «Corpus Hermeticum», eines in der platonischen Akademie zu Florenz, durch Marcilio Ficino, wiedergeborenen Werke.

Das untenstehende Bild zeigt wie das Verhältnis in diesem wunderbaren Kunstwerk enthalten ist und die Verbindung der Welten beschaffen ist.

Die beiden schwarzen Linien sind exakt im Verhältnis des goldnen Schnittes

Was will nun dies ganze Bild sagen? Der Mensch ist mit der denkbaren Welt in diesem Verhältnis, als «Welt im Kleinen» also als «Mikrokosmos», verbunden. Schlussendlich kann das uns Erschaffende, grössere nur erkannt werden (gnōthi). Das zu erkennen, bedeutet sich selbst zu erkennen. Sich dessen Bewusst zu werden, dass da eine unterbrochene Verbindung besteht. Niemand … kann diese Verbindung für andere wieder herstellen. Das ist der Grund warum wir hier sind, diese zu finden … Das verloren gegangene schwebt vielleicht in den Wolken …. doch das ist unser Hirn. Erkennen, Denken, Urteilen, Phantasieren, Träumen … alles Funktionen die ein Hirn kann und manchmal auch durcheinander bringt. Erkennen … ist diesmal gefragt.

Sobald das Denken einsetzt wird geurteilt, zerteilt, analysiert, separiert, verglichen. Folglich ist das Denken ungeeignet dafür, zu suchen was verloren ging … es erkennen oder in diesem Fall «wiedererkennen» ist die Lösung. Hirntätigkeit hat also verschiedene Qualitäten. Erkennen ist «geistiges Schauen» und was gemeinhin als «Denken» bekannt ist, wird zum Umsetzen der «Erkenntnis» in die Tat gebraucht.

Wiedererkennen der Einheit mit den Kräften die den Menschen erschaffen haben kann mit dem Kopf geschehen und war natürlich in der Renaissance DAS Thema. Wurden damals doch noch Menschen angeklagt und verurteilt, wenn sie die neusten Erkenntnisse veröffentlichten die dem sogenannten «Glauben» widersprachen …

Abschliessend erscheint also ein neuer Titel des Bildes: «Adam erkennt sich selbst».

Stalker von Andrei Tarkowsky

Drei Männer machen sich auf den Weg. Ihr Ziel ist ein Raum, in dem die Wünsche in Erfüllung gehen. Allerdings ist der Weg dorthin nicht einfach, denn er führt durch die sogenannte «Zone». Ein launisches, lebendiges Gebiet rund um diesen Raum.

Die Namen der Männer werden nicht genannt. Sie werden nach ihren Berufen bezeichnet. Der Schriftsteller, der Physik Professor und der Stalker. «Stalker» hat, nebst der uns bekannten, eine zusätzliche Bedeutung. Es bedeutet auch «Scout», also «Pfadfinder». Er fühlt sich verpflichtet, immer wieder Menschen, durch die Zone, zu dem Raum zu führen. Er nennt sie die Einsamen, die Hoffnungslosen.

Die Bilder des Filmes sind anfangs monochrom in Sepia. Das ist ein bräunlich getöntes Schwarzweiss, in welchem die Bildinformationen durch den Hell- und Dunkel-Unterschied entstehen. Das erinnert an den Film «The Wizzard of OZ» (1939), der auch umrahmt ist von Sepia und einen farbigen Mittelteil hat. Das Land «over the Rainbow» ist in Technicolor gehalten.

Schwarzweiss oder Hell zu Dunkel mit den verschiedenen Abstufungen ist einer der Bewusstseinszustände in denen wir Leben. Es ist das Reich der Gegensätze die sich wandeln. Es ist das Reich des Gesetzes, der Urteile, der «Irrgarten der Entscheidungen» oder das «Labyrinth der Welt» wie es Comenius nannte. In der Bar, aus welcher die 3 starten, hat es zwei Neonröhren. Die eine blinkt, sie erinnern an Yin und Yang aus dem «I Ging». Es ist die binäre Welt, die bipolare Welt.

Die 3 kämpfen sich erst durch das Labyrinth und brechen im Windschatten eines Transportzugs in die «Zone» ein. Darauf folgt eine lange Fahrt auf einer motorbetriebenen Schienen-Draisine. Schienen erinnern an Leitern.

In der Zone angekommen wird der Film farbig. Sehr dominant ist dabei die grüne Farbe, da alles überwuchert ist.

Der Eintritt in die Zone scheint unspektakulär.

Stalker erzählt von Blumen die man nicht riechen kann, von zertrampelten Blumen und von Blumen im Tal. In dieser Zeit ist der Physiker damit beschäftigt an 3 Bienenwabenförmigen Schraubenmuttern je ein weisses Band, gleichsam den Schweif eines Kometen, anzubringen. Diese drei Kometen werden dann zur Navigation benutzt. Sie werden in eine Richtung geworfen und wenn sie unversehrt landen, folgen die 3 Männer dem Kometen nach … Die drei Schraubenmuttern werden insgesamt 6 Mal geworfen. Siebenmal werfen sie Etwas um zu schauen ob der Weg frei ist, doch einmal werfen sie einen Stein … in den Tunnel …  anstelle der Schrauben. Die Schraubenmutter weist auch auf die 3 Farbschichten des Farbfilmes hin mit welchen die 6 Farben von Newtons Farbkreis gebildet werden, zusätzlich zu Hell und Dunkel.

Was sind die Schrauben, die Blumen? Es ist eine Referenz zum Hohelied der Liebe von Salomon. Es ist dort von zwei Arten von Blumen die Rede einer Art Narzisse, das ist die sechsblättrige Blume und einer Art Rose, das ist die Zwölfblättrige. Wo die Erste farblos ist, hat die Zweite abwechselnd rote und weisse Blätter. Die Zentren der Blütenblätter der sechsblättrigen Blume miteinander verbunden, bilden ein gleichseitiges Sechseck, genau die Form der Schraubenmuttern. Diese Sechsecke wiederum sind die drei tragenden Elemente aus denen der Lebensbaum aufgebaut ist. Mit 3 ineinander greifenden Sechsecken und den 22 Pfaden dazwischen. Wer genau schaut, wird, nebst der Rune Nodiz,  den Baum der Erkenntnis auch in dieser Szene entdecken.

Nachdem sie die ersten Schritte gewagt haben und sich in der Zone fortbewegen können werden nacheinander verschiedene Zitate aus Büchern durch eine Stimme aus dem Off vorgelesen: Hermann Hesse «Das Glasperlenspiel», «TAO the King» von Laotse, zwei Stücke aus dem neuen Testament, das Geschehen zu Emmaus und aus der Offenbarung des Johannes. Zudem taucht ein schwarzer Hund auf, der sehr an Anubis erinnert.

Es ist eine sehr grosse Herausforderung all die kleinen Details und Zusammenhänge zu erforschen. Das ist der Wert dieses Kunstwerkes. So bescheiden und unspektakulär es an der Oberfläche daherkommt, umso gewaltigere Fragen wirft es auf.

Nichts weniger als die Tora, die Kabbalah, der Taoismus, Buddhismus das Christentum, die Ägyptische Mythologie und irgenwo wird der Hellenismus auch noch sein (wo, wenn nicht in einem Dialog über das abstrakte Denken zwischen Schriftsteller und Physiker) … werden raffiniert miteinander verwoben. Tarkovsky ist unser «Stalker».

Es ist eingentlich ein Verrat an den Schöpfern und dem «Magister Ludi» des Werkes, solche Dinge auszuplaudern. Solche Werke sind dazu da, entdeckt und erforscht zu werden und dadurch immer tiefer in die Zusammenhänge der Geistesgeschichte und den «Sinn» des Lebens einzudringen.

Gleichsam wird der Geist dadurch erhoben. Sokrates beschreibt dies so: «Also wäre die höchste Form der Lust diejenige, die der erkennende Teil unserer Seele geniesst, und das Lustvollste Leben hätte der Mensch, in dem dieser Teil die Oberhand hat.» (Platon, Politeia, 9. Buch X).

Ist das getan, ist man all den Fallen ausgewichen und hat den Weg durch die Mitte dieses Tales, «Perceval», genommen, erreicht der neue Stalker, wir Filmschauenden, eben diesen Raum. Der Weg führt vorbei an sieben Leuchtern durch eine enduristische Röhre (genannt meat mincer, Fleischwolf), über die Taufe im Jordan in die Wüste der 3 Versuchungen. Erst in der Wüste ist der Brunnenschacht, in welchen ein Stein geworfen wird. Darauf ertönt daraus heraus, zeitlich viel vorher, nämlich zu Beginn des Zweiten Teils, eine Stimme. Es ist das Hesse Zitat und beantwortet die Frage, die der Schriftsteller in der Wüste (nach der Szene im «meat mincer» …) hat, folgendermassen:

«Was du Leidenschaft nennst, ist nicht Seelenkraft, sondern Reibung zwischen Seele und Aussenwelt..»

Die Protagonisten, der Körper (Physiker), der Geist (Schriftsteller) und die Seele (der Stalker) gehen nicht in den Raum … Doch die Kamera fährt in den Raum, in den honigfarbenen Glanz und nimmt uns zuschauenden mit. Wir sind im Raum und schauen von drinnen nach draussen …

Jede Kameraeinstelllung in dem Film ist ein Kunstwerk für sich. Zusammen mit Fahrten und Abfolgen erweitert um eben die Zeit, die vierte Dimension, die erst Mitte des 19. Jrh. bekannt gemacht wurde.

Die Erzählkunst besteht darin, ähnlich wie im zitierten «Glasperlenspiel» von Hermann Hesse, Elemente aneinander zu reihen. Erst durch die Konstellation der Erzähl-Elemente erfahren betrachtende die Geschichte.

Die Zone entstand durch etwas das als Meteorit benannt wird. Trévrizent beschreibt im Parzifal den Fall des Luzifer. Er reisst ein Stück reinen Gestirns mit sich und das fällt auf die Erde. Der sogenannte Himmelsstein oder Lapis ex coelis oder Lapis Excillis. Das ist eine Ansicht des Grals.

Eine Andere Ansicht ist der Raum selbst, der Kubus mit den sechs räumlichen Ausdehnungen, der in ein Sechseck gezeichnet werden kann. Der Kubus der aufgefaltet ein Kreuz bildet … Das Geheimnis des Kubus ist sein Mittelpunkt. Der Mittelpunkt ist nicht Schnittpunkt sondern Ausganspunkt der Zeiträumlichen Ordnung. Im Mittelpunkt, der physikalisch nicht auszumachen ist, liegt der Durchgang. Daraus strömt gleichsam ein goldenes Licht hervor.

Ganz am Schluss des Filmes sieht man die 4. Wand im Schlafzimmer des Stalker … es ist eine Wand voller Bücher … der scheinbar einfältige, naive Diener ist in Wirklichkeit äusserst belesen … Man erinnert sich an den «Diener Leo» aus Hesses «Morgenlandfahrt».

Was die Oper «Die Zauberflöte» uns erzählt

12.10.2019

In diesem Text werden ein paar Gedanken zur Geschichte gemacht und er kann das Lesen und Schauen oder Besuchen der Oper nicht ersetzen. Er kann eine Begleitung durch die Handlung bieten, ist aber nicht eine abschliessende Interpretation.

Es geht in der Geschichte um die Einweihung von Tamino in Begleitung von Pamina. Die Personen sind Stellvertretend für innere und äussere Vorgänge. Tamino ist die Vernunft von uns Menschen. Die Vernunft ist nur ein Aspekt unserer Persönlichkeit. Es ist jedoch der Teil, welcher mit dem Denken zu tun hat und uns mit dem Geist verbinden kann. Tamino kommt aus einem fernen, östlichen, Land …Wie Pamina die Tochter der Königin der Nacht ist, ist Tamino aus dem Geschlecht Sarastros. Es ist also die Vernunft, die den Einweihungstempel sucht. Tamino ist ein Schütze und hat einen Bogen ohne Pfeile. Durch die Schlange gelockt, verirrt er sich ins Reich der Königin der Nacht. Er bekommt das Bildnis von Pamina, der Tochter der Königin der Nacht zu Gesicht. Pamina ist die neue Seele die mit Tamino durch die Prüfungen über die ˂Chymische Hochzeit˃ zur Geistseele wird.

In der Zauberflöte werden 3 Tempel erwähnt. Der Tempel der Vernunft, der Tempel der Natur und der grösste, erste, der «Tempel der Weisheit».

Im 28. Auftritt wird es von zwei Geharnischten von einer Pyramide vorgelesen:

ZWEY MÄNNER
Der, welcher wandert diese Strasse voll Beschwerden,
Wird rein durch Feuer, Wasser, Luft und Erden;
Wenn er des Todes Schrecken überwinden kann,
Schwingt er sich aus der Erde Himmel an. –
Erleuchtet wird er dann im Stande seyn,
Sich den Mysterien der Isis ganz zu weih’n.

Erleuchtet wird er dann im Stande seyn,
Sich den Mysterien der Isis ganz zu weih’n.


Deutlicher kann es nicht gesagt werden. Um sich den Mysterien der ISIS ganz zu weihn ist die Erleuchtung Bedingung.

Sarastro ist im Besitz des «Siebenfachen Sonnenkreises». Das kann mit dem «Heiligen Geist» gleich gesetzt werden. Es ist etwas reines und strahlendes. Es ist das Licht der Weisheit. Als naturgeborene Menschen, die wir sind, solange wir nicht einen Einweihungsweg hinter uns haben, gleichen wir Papageno. Er ist der Naturmensch. Wie im Text der Zauberflöte geschrieben steht, will er gar nicht viel. Etwas zu Essen, Wein, eine Frau und lustige Stunden reichen ihm. Damit ist er schon zufrieden. Er weiss weder woher er kommt noch welches seine Eltern sind, noch hat er eine Ahnung über seine Bestimmung als Mensch, also wohin er gehen soll.

Manchen Menschen ist das nicht genug … sie wollen hinter die Schleier ihrer Bestimmung schauen. Sie wollen Wissen. Hier setzt die Zauberflöte an. In der Geschichte wird dieser Weg beschrieben. Es ist der Weg aus dem «natürlichen» Bewussstsein in das «geistige» Bewusstsein. Aus dem Feld, der Sphäre der grossen Gefühle und Leidenschaften hinaus in die Sphäre des Geistes, der Erkenntnis, die mit dem «Siebenfachen Sonnenkreis» angedeutet wird. Papageno und Tamino kennen wir also gut, wir sind beides.

Es geschieht eine Veränderung während dieser Einweihung. Die Sphäre der Weisheit, des Wissens ist «hermetisch» abgeriegelt. Mit dem Naturbewusstsein können wir nicht durchdringen. Ein Umstand den die Königin der Nacht, die in der Musikgeschichte berühmte Arie «Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen», singen lässt. Ganz etwas anderes singt Sarastro als er auf Pamina trifft. Dazwischen ist der berühmte und viel diskutierte sogenannte «Bruch» in der Geschichte.

Es ist das chronologisch nächste Lied. Es verdeutlicht sehr klar den Unterschied zwischen den zwei Sphären in denen «die Zauberflöte» spielt. Die erste Zeile lautet: «In diesen Heil`gen Hallen kennt man der Rache nicht». Denn Erkenntnis lässt uns verstehen. Präziser kann der Kontrast der zwei Spähren kaum ausgedrückt werden als mit Arie 14 «Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen» und Arie 15 «In diesen Heil´gen Hallen kennt man der Rache nicht»

Verschiedene Charaktere erzählen die Geschichte dieser Verwandlung. Tamino den man die «Vernunft» nennen könnte, Sarastro als die «Weisheit» – das Ziel der Reise, Papageno, der Naturmensch, die Königin der Nacht, welche die Astralsphäre wo Emotionen, Triebe, Sinnlichkeit und Leidenschaften angesiedelt sind, darstellt. Das Reich der «Königin der Nacht» ist das Reich der alten Einweihungen der Naturmagier.

Es treten drei Paare in der Geschichte auf. Tamino und Pamina, Papageno und Papagena und als Gegensätze von Licht und Finsternis: Sarastro und die Königin der Nacht. Dann ist da noch der Moor Monostatos. Es geht natürlich nicht um seine Hautfarbe oder dass dunkelhäutige Menschen irgendwie schlechter oder böser sind als hellhäutige. Es geht um die Dunkelheit als Kontrast zu Pamina und Sarastro. Monostatos steht für das Ego. Er ist zwar im Dienste des Sarastro, versucht doch immer mal wieder was für sich zu erhaschen. Das Ego ist überall – sogar um den Tempelkomplex, doch es darf nichts für sich beanspruchen. Es muss wirkungslos werden und sich dem Dienst Sarastros, der Weisheit ergeben. Doch das Ego nimmt Pamina und Papageno gefangen und sogar Tamino. Monostatos wird darauf von Sarastro gemassregelt.

Das tönt nach etwas Strafe, nach gehorchen und befehlen. Doch das ist nicht so. Die Weisheit, «Sarastro», das geistige Licht befielt nichts. In seinem Licht erscheint alles klar. Es ist die Erkenntnis. Scheint das Licht in unserem Wesen, erkennen wir in welchen Zuständen unsere Mitmenschen sich befinden und können dann auch helfen, ohne dass sie das persönlich wahrnehmen. Doch das Ego ist selbstsüchtig und will alles für sich, darum sondert es sich vom Licht ab und verbrennt sich, wird schwarz. Wenn Sarastro Monostatos 7×7 Streiche auf die Fusssohle verabreichen lässt so wird angedeutet, dass Monostatos, das Ego, sich selbst verbrannt hat am siebenfältigen Sonnenkreis. Er wird zurückgestossen wohin er gehört.

Natürlich wechselt Monostatos dann als Verräter das Lager und führt die Königin der Nacht in die Tempelanlage. Was soll er sonst tun. Erscheint jedoch Sarastro, so wird es «Licht» und der Spuk endet sofort. Das ist die Macht des «Geistigen Lichtes» im Menschen. Das ist die Erleuchtung.

Das ist das Sonnenreich des Geistes im Kontrast zur Astralsphäre des Glaubens.

Der Naturmensch, der wir noch sind, braucht nicht viel. Er fängt ein paar Vögel, liefert sie ab und kriegt dafür Nahrung. Das ist der Lauf der Dinge. Will der Mensch jedoch am Geiste Anteil haben, wird er sich aus der Sphäre der «Königin der Nacht» wo all die Emotionen, die «Sinnlichkeit», die «Empfindungen» und der Glaube angesiedelt sind, heraus kämpfen.

Da ist das Phänomen der Verschwörungstheorien angesiedelt … der Naturmensch hat Angst vor der Weisheit, vor dem Licht des Geistes. Er kennt es nicht. Er empfindet Hass. Treffend dargestellt in der erwähnten Arie «der Hölle Rache …» und der Szene davor. Der Emotionale Mensch hat Angst vor dem Verstandes-Mensch und was der da macht ist ihm unheimlich. Wenn er ihn fassen kann sperrt er ihn ein und martert ihn aus Hass und Verzweiflung um etwas Anteil zu haben an dem Licht. Das widerfuhr den Manichäern und während der Zeit der Inquisition den Katharern. Das geistige Licht Christi wurde durch die Verfolger in die Erde gerichtet anstatt umgekehrt. So konnten diese Verbrechen begangen werden, die im kompletten Widerspruch zur Christlichen Botschaft stehen. Der neue Wein wurde in die alten Schläuche gefüllt bis sie platzten. Das machte es nötig, eine neue Methode entstehen zu lassen und es entstanden als Antwort auf diese Verbrechen die Renaissance und Reformation. Begleitet von den exakten Wissenschaften. All den Entdeckungen seitdem, auf der Erde, über der Erde und im Geiste.

Es gibt noch die vier mal drei Gehilfen: die drei Damen im Dienste der Königin, die drei Knaben als Hilfe für Tamino, die drei Priester im Dienste Sarastros und die drei Sklaven unter der Macht von Monostatos. Es sind 22 Personen total, den Sprecher im Tempel eingerechnet.

Nur wer sich die Mühe nimmt, an die Pforte des Tempels der Weisheit klopft und eine prozessmässige Umwandlung seiner Persönlichkeit zulässt und erlebt, kann diese Botschaft richtig verstehen. Vorher sind wir als Menschen hoffnungslos. Solange wir uns ärgern, Wut, Hass, Freude und Leidenschaften spüren können wir ganz sicher sein, noch nicht angekommen zu sein.

Monostatos imitiert die Weisen, schleicht sich in den Tempel rein. Das Ego tut immer so als sei es schon angekommen. Es ist schlau. Ummantelt sich gerne mit Humanismus und kleidet sich weiss und spielt erhaben «wichtige» Rituale. Darüber lacht der «Erleuchtete». Der «Naturmensch» wird aber dadurch getäuscht und verführt.

Es gibt Menschen, die sind auf dem Pfad ohne es zu wissen, es gibt Menschen die können stundenlang über den Pfad sprechen ohne den kleinsten Schritt darauf zu tun und es gibt Menschen die desillusioniert sind, komplett ernüchtert sich wieder finden und wissen, dass sich was ändern muss in ihrem Leben. Alle diese Personen die in der Zauberflöte auftreten sind in uns … Der Einweihungs-Pfad ist ein Bewusstseinswechsel … ein innerer Weg.

Durch selbst erlittenes Unrecht kann der Wunsch in uns auftauchen, die Sehnsucht, selbst gerecht handeln zu wollen. Es stellt sich dann die Frage: «Was ist Gerechtigkeit»? Um diese Frage beantworten zu können sind wir mitunter ein Leben lang beschäftigt. Um gerecht handeln zu können ist Weisheit Voraussetzung. Wenn wir aus Weisheit handeln, können wir gerecht handeln. Warum gelingt es uns also nicht gerecht zu handeln? Was ist «Weisheit»? Warum erwischen wir uns immer wieder wie wir in Streit geraten, Kriege anzetteln unsere Kinder und Lebenspartner schlecht behandeln weil wir selbst unter Druck geraten sind durch alle möglichen Umstände unseres Lebens?

Weil wir nicht aus Weisheit handeln sondern aus unseren Natur-Trieben.

Trefflich ist der Schluss der Oper, der Bauriss des Tempels:

SARASTRO
Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht,
Zernichten der Heuchler erschlichene Macht.

CHOR VON PRIESTERN
Heil sey euch Geweihten! Ihr drangt durch die Nacht,
Dank sey dir, Osiris und Isis, gebracht!
Es siegte die Stärke, und krönet zum Lohn
Die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron‘.

All die oben erwähnten Aspekte sind Thema der Oper, wenn man sie mal unter diesem Gesichtspunkt anschaut, kann, ob von Mann oder Frau … , sehr viel daraus erfahren werden. Nützlich ist sie doch nur den Lesenden und Hörenden, die durch inneres Drängen verstehen wollen. Die bereit sind sich zu ändern, an die Pforte zu klopfen und die Worte zu hören: «Wo willst du, kühner Fremdling, hin?».

Der Tod des Kreuzes

2018 Brasilien

Für umgerechnet 2 Franken steht eine mächtige Kokosnuss auf dem wackeligen Plastik-Tischchen vor mir. Obwohl Palmblätter über mir rauschen und auch eher kleine Nüsse darunter zu erkennen sind, wurden die grünen Nüsse mit dem bekömmlichen Kokoswasser vermutlich von weit aus dem Norden Brasiliens an diesen Strand transportiert. Neben mir trinken Einheimische Dosenbier. Die Nüsse müssen nur zusamengelesen und transportiert werden. Keine Verpackung, keine Abfüllanlage keine Werbung – nichts. Paradiesisch fühlt sich das an, wär nicht der Dieselgeruch der Katamaran Fähre die gleich nebenan vom runden Terminal «Olymp» von Charitas in Richtung Rio de Janeiro losbraust.

Mit den Zehen im äusserst feinen, herrlich weissen Sand wühlend lese ich im Sonnenuntergang in Steven Hawkins Buch «A brief history of time». Ein Buch von 1988. Es wurde also vor 30 Jahren veröffentlicht. Anbetracht der 526 Jahre seit der Entdeckung Amerikas und nach denen ich es auch bis hier hin geschafft habe, bin ich da mit lesen noch früh dran.

Charitas scheint ein Stadtteil von Niteroí zu sein. In Nitroí gibt es das MAC Museum of Contemporary Art. Es ist Kreisrund und gemäss der Aussage des Architekten von einer Blume inspiriert. Mich erinnert die Form des Museums auch an einen Kelch, jedoch an den «Gral». Die Kunst und der «Gral» in Verbindung mit Gegenwart lässt mich erahnen welch tiefsinnige Botschaft von diesem Gebäude ausgeht.

Beim letzten Kapitel angelangt von dem Buch, von dessen Inhalt ich kaum etwas begriffen habe, beginnen meine Gedanken zu kreisen.

Das Universum ist vermutlich ohne Grenzen, also eine Kugel und entstand gemäss einer Theorie aus Blasen. Es gibt wohl verschiedene Zeiträume mit der konstanten Lichtgeschwindigkeit. So revolutionär wie einst Kopernikus die Planeten um die Sonne drapiert hat, büschelt Einstein die Zeit um die Lichtgeschwindigkeit. Ich stelle mir vor wie wir wirbelnd durchs All rasen mit relativen Zeitkonstanten wie alles sich bewegt und zueinander dreht. Bis hinein zu den winzigsten Photonen. Einzig der Verkehr auf den Strassen in Niteroí staut sich so, dass sich nichts mehr bewegt. Mit dem runden Katamaran-Terminal «Olymp» von Oskar Niemeyer wurde vor einem halben Jahr auch ein Tunnel eröffnet das die Gegend hinter dem Berg sozusagen mit der Zivilisation verbindet. Das führt zu Mehrverkehr der direkt auf ein Lichtsignal an einer Kreuzung am Eingang des nächsten Tunnels zufliesst.

Es gibt zwar zwei grosse Kreisel auf dem Weg dazwischen aber die nützen nichts, da der Verkehr an dem Lichtsignal staut.

Je mehr ich über die Kreuzung und die Geraden nachdenke umso unsinniger erscheinen sie mir. Auch die Quadratur des Kreises ist ja ein Witz. Wie kann man nur auf die Idee kommen so etwas vollkommenes wie einen Kreis oder eine Kugel hinunterzubrechen auf die Form eines Quadrates … Mit der Geraden zerschneiden wir den Kreis, zerstückeln ihn gleichsam. Und wenn das geschehen ist wollen wir die Bruchstücke mit der ganzen, ursprünglich perfekten Form wieder zusammenbringen. Es ist verständlich, dass sich da sogar die Mathematik dagegen wehrt.

Verkehrs- und Städteplaner werden sich wohl im Zangengriff von Politik und Wirtschaft täglich den Kopf darüber zerbrechen wie der Verkehr flüssig gehalten werden kann.

Es wird nicht gehen solange wir die Geraden und die Kreuzungen nicht komplett aus der Architektur verbannen.

Vermutlich muss sogar eine neue Geometrie, die grundsätzlich auf dem Kreis und nicht der Geraden aufgebaut ist, entwickelt oder etabliert werden, falls sie schon existiert.

Seit die Römer Jesus am Kreuz verdursten liessen und so brutal ermordet haben, schwebt das Kreuz, wie zwei sich kreuzende Damoklesschwerter über der westlichen Zivilisation.