Neulich ist der Buch und Filmtitel «Where the crawdads sing» breit in dem Marschland der öffentlichen Wahrnehmung gestreut. Habe mir nach Empfehlungen, die mich nicht wirklich begeisterten, dennoch, in einem Moment der Tiefenentspannung, den Film angeguckt und war begeistert. Das verwundert mich nicht sonderlich, da ich ja im Sternzeichen Krebs geboren bin. Der Film erschien auch im Sternzeichen Krebs, also im Juli. Der Titel liess mir keine Ruhe. Er fasziniert mich. Im Grunde ist er ein kurzes Gedicht. Fast ein kleines Haiku. Das weibliche YIN in der chinesischen Philosophie wird als dunkel, feucht, kalt und unberechenbar bezeichnet. So ist Kya als Protagonistin, von allen Familienmitgliedern verlassen, alleine im Marschland aufgewachsen. Sie ist ein Kind des Marschlandes sozusagen. «Marsch ist nicht Sumpf…», wird gesagt, «… doch in der Marsch kann es den tiefsten Sumpf geben». Crawdads sind Flusskrebse, sie werden im englischen Sprachraum auch als crawfish, crayfish und anders bezeichnet. Krebse leben unter Wasser, können aber nicht schwimmen. Sie kriechen und krabbeln. Vom Krabbeln haben sie wohl auch ethymologisch ihren Namen erhalten. Auf deutsch wird übersetzt «Wo die Flusskrebse singen» oder als Filmtitel «Der Gesang der Flusskrebse» (was eine leichte Verzerrung ist). Das muss ein Geräusch sein, entfernt vergleichbar dem Zirpen der Grillen. Ein «Gesang» der wohl entsteht wenn Mengen von Flusskrebsen im stillen Marschland unterwasser den Grund nach Nahrung durchpflügen und dabei Klickgeräusche entstehen. Nur hörbar komplett abseits, wenn die Natur zu leben beginnt. Dort ist etwas hörbar, das unsichtbar im Untergrund wirkt. Der Film ist durchgehend weiblich. Schrifstellerin (Delia Owens), Drehbuchautorin (Lucy Alibar), Regisseurin (Olivia Newman), Produzentin (Reese Witherspoon), Kamerafrau (Polly Morgan), Hauptdarstellerin (Daisy Edgar-Jones), der eigens für das Buch komponierte Titelsong «Carolina» (Taylor Swift) und natürlich das Thema. Interessant ist die Mehrschichtigkeit des Wortes «Crawdad». Ein Glücksfall für ein Gedicht. Einesteils wird das Tier erwähnt das sensitiv unterwasser krabbelt, ganz sicher nicht singt, andererseits auch der «raw dad» der Frau und Kinder schlägt und dessen Seele selbst ein emotionaler Sumpf ist. Weiter «craw», der «Kropf», im Kropf stecken bleiben, auch im Sinne von «Kehle». Die ganze Handlung bewegt sich in diesem emotionalen Marschland, in dem Kya aufwächst und lebt, das nur sensitiv erfahrbar und durchwatbar und nicht intellektuell. erfassbar ist. Darin besteht der Genuss der Erzählung. Es ist eine schon fast vergessene Fähigkeit wach geworden, auch sensitiv wahrzunehmen. Dank an die Schöpferinnen des Werkes.
«Where the crawdads sing»
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