Es ist dunkel und doch hört CEHM aufgeregt klingende Stimmen. Neugierig versucht er zu verstehen was da gesprochen wird.
«Warum sagte das Kind Du seist eine schöne Zahl?» «Hat es das tatsächlich gesagt? Ich habe verstanden ich sei seine Lieblingszahl», kam die Antwort. «Ja», sagte eine andere Stimme, «und es sagte, es sei schön mit Dir zu spielen».
CEHM mischt sich nicht gerne in Gespräche ein, er fliegt lieber unerkannt umher. Doch es wundert ihn nun wer da spricht und man sieht nichts. Also fragt er «Wer spricht denn da und worüber redet Ihr?» und erschrickt ab seiner lauten Stimme grad selber. «Hallo CEHM», kam die Antwort. CEHM ist verwundert, man scheint ihn zu kennen. «Wir sind die Zahlen die miteinander versuchen herauszufinden welches die schönste Zahl ist».
Es gibt fliegende Tassen, warum also nicht auch sprechende Zahlen. CEHM zuckt mit den Schultern und fragt: «Zahlen können sprechen?»
«Ja sicher können wir sprechen, was denkst du woher das Wort ‚er-zählen‘ kommt? Die Buchstaben waren erst Zahlen.» Antwortete eine weitere Stimme. «Nun, das ist nicht sicher was zuerst da war», sagte wieder eine Stimme, «doch bei einigen alten Alphabeten waren die Buchstaben beides: Zahlen und Buchstaben.»
«Wie seid ihr denn darauf gekommen zu besprechen wer die schönste Zahl ist?» fragt CEHM. «Die Vier hat gesagt ein Kind hätte lieber mit der Sieben statt ihr spielen wollen, weil sie seine Lieblingszahl sei und es schön sei mit ihr zu spielen.» «Woher weiss das die VIER», fragt CEHM verwundert. «Sie hat zwei Kinder belauscht die beide mit derselben Zahl spielen wollten.»
«Habt ihr schon herausgefunden wer ist die schönste aller Zahlen ist?»
«Ich», sagte die NEUN. «Die grösste und wertvollste aller Zahlen muss doch auch die schönste sein! Menschen liegen zudem erst 9 Monate im Bauch der Mutter bis sie das Licht der Welt erblicken, also geboren werden», erklärt die NEUN weiter. «Und die DREI ist genau DREI mal in mir enthalten … Ein Kind geht zudem NEUN Jahre in die Schule, mindestens. Als grösste aller Zahlen will ich mein möglichstes tun damit es NEUN schöne Jahre werden.»
Betreten schweigen die anderen neun Zahlen und sind beeindruckt.
Nach kurzem Schweigen meldet sich die SECHS zu Wort: «Mir gefällt die DREI am besten. Sie ist die gerechte Zahl des Gleichgewichtes. Sie ist der Ausgleich zwischen zwei Gegensätzen. Wie bei einem Reitseil oder einer Schaukel. Auch bei einer alten Waage mit den zwei Schalen und dem Zeiger, der die Balance anzeigt. Bei den Pyramiden, die so schön sind, bilden vier Dreiecke die Seiten, die zum Spitz zusammengefügt werden.»
Wiederum hört man erstauntes Schweigen.
Etwas zaghaft räuspert sich dann die VIER.
«Ich weiss nicht ob ich besonders schön bin, doch ich glaube ich bin nützlich. Oftmals wird von den vier Wänden gesprochen und damit wird ein Haus oder Raum gemeint, in dem Schutz gefunden wird. Die vier Wände geben ein Zuhause. Es ist sehr stabil und man kann sich einfach darin zurechtfinden. Vorne, hinten, links, rechts. Auch gibt es die vier Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Auch vier Windrichtungen gibt es: Norden Osten Süden Westen. Zählt man 1+2+3+4 zusammen erhält man zehn. Gäbe es mich nicht würde wohl einiges in der Welt der Kinder auseinander fallen.»
Ein anerkennendes Raunen ist vernehmbar. «Ja, die Vier, wenn wir die nicht hätten…», ist zu hören.
«Meine Form erinnert an einen Schwan», sagt nun eine selbstbewusste Stimme. Ohne Pause fährt sie weiter: «Ich kann alles verdoppeln! Ich kann spiegeln und ich bin hell und dunkel, gross und klein, Anfang und Ende, heiss und kalt. Meine Kunst sind die Gegensätze. Ich bin das Paar das Kinder kriegt, die zwei Hälften die das Ganze ergeben. Alles was schön ist mach ich doppelt so schön. Ich und Ihr, aussen und innen, oben und unten Schwarz und Weiss. Alle geraden Zahlen sind durch zwei teilbar, sind meine Kinder.»
Applaus ist zu hören. Wichtig und schön ist die ZWEI, das ist sicher.
«2 mal 3 gibt sechs», sagt nun die DREI die vorher von der SECHS gelobt wurde. «Die ZWEI verdoppelt auch meine Fähigkeiten und die sind mit SECHS mehr als nur das doppelte meines Wertes. Das feurige Dreieck mit Spitz nach oben und das wässrige Dreieck mit Spitz nach unten. Übereinander gelegt, ineinander verwoben bilden sie den schönen Sechsstern. Auch hier sind die erwähnten Eigenschaften des Gleichgewichtes gleich zweimal vorhanden und das grosse Geheimnis trägt der Sechsstern um seine Mitte. Auch die märchenhaft schönen Schneeflocken, von denen jede, wirklich jede einzigartig ist sind sechseckig. Zu allem Überfluss bauen die Bienen, mit ihren sechs Beinen, ihre Stöcke in dem stabilsten Muster der Natur, dem Waben Muster, in dieses füllen sie ihren süssen, golden schimmernden und würzigen Honig.»
Laute des Erstaunens waren nun hörbar, was bei den denkgewohnten Zahlen äusserst selten vorkommt. «Ich habe davon gehört wie Lecker Honig ist», war hörbar und: «Was der Honig für die Kinder ist, ist die Sechs für uns». Sogar CEHM schmunzelte, als er das hörte.
Nach dem sich die Stimmen wieder beruhigt haben und eine gespannte Stille eingetreten ist meldet sich eine elegante Stimme: «Es gibt sicher bedeutungsvollere Zahlen als mich – doch kaum eine viel hübschere. Ich höre soviel Lob über meine schlanke Hüfte und meine schönen Rundungen. Doch nicht nur haben die Spinnen achte Beine um sich überall durch zu hangeln und ihre schönen Netze zu bauen. Die Acht ist auch die wichtigste Zahl im Internet. Auch bei all den digitalen Computern. Acht Bit ergeben ein Byte. Ein Bit ist nur Null und Eins. Auch schon hörte ich wie jemand sagte, ich sei unendlich schön.»
Erfreut und zustimmend lachten die Zahlen und wurden sich ihrer Wichtigkeit erst recht bewusst. «Waaa», wurde erfreut gesagt, «ohne uns gehts nicht.»
«Vielleicht ist sie zu schüchtern», ist jetzt flüsternd die FÜNF zu hören. Die SIEBEN tuschelt zurück: «Sag doch Du was, Du weisst so viel Gescheites» «Gut, doch hilf mir ein wenig» «Ok»
Also hob die FÜNF zu sprechen an: «Eine Zahl wurde noch nicht erwähnt und wir vermuten sie ist zu bescheiden sich vorzudrängeln. Was wären wir alle ohne die EINS ?» Verdutzte Laute waren zu hören. «Ohne sie gäbe es uns alle überhaupt gar nicht. Jeder unserer Werte die ZWEI, die DREI sogar bis zur grössten aller Zahlen, der NEUN, bedeutet immer der Name der Zahl mal EINS. Die VIER ist also VIER mal EINS und ich bin FÜNF mal EINS.»
Die SIEBEN ergänzt: «EINS ist die Kleinste und weil sie in allen anderen Zahlen drin ist zugleich auch die Grösste aller Zahlen. Aller Anfang ist EINS und es gibt immer, eine noch grössere, wenn zur grössten Zahl nochmals EINS dazu gezählt wird. EINS ist UNTEILBAR und kann sich unendlich vervielfältigen.»
Das Wunder der EINS überdenkend schweigt nun die Summe der Zahlen wieder.
Die SIEBEN fährt nach einer kurzen Pause gleich weiter mit sprechen: «Jedes mal wenn ich ein Vergissmeinnicht betrachte, bewundere ich den schönen, weissen, fünfzackigen Stern in ihrem phantastisch blauen Blütenkelch. Viele Blumen haben Fünf Blütenblätter und auch die zarte, wunderschöne und herrlich duftende Rose verpackt ihre Blüte in 5 Kelchblättern. Auch haben Menschen meistens fünf Finger an jeder Hand und fünf Zehen. Man spricht auch von den fünf Sinnen: Hören Schauen Riechen Schmecken und Tasten. Auch von den fünf Öffnungen im menschlichen Kopf. Es gibt zweimal fünf, also zehn Zahlzeichen. Doch vor allem gefällt mir der goldene fünfzackige Stern.»
CEHM fühlt sich beobachtet, denn es ist plötzlich so still.
«Lasst mich noch etwas über die SIEBEN sagen», sagt nun die FÜNF. «Ich vermute auch sie will sich nicht vordrängeln. Doch sie ist vollkommen. Ein Kreis kann lückenlos mit sechs Kreisen mit der gleichen Grösse, also dem gleichen Radius umgeben werden. Alle diese sechs Kreise berühren den mittleren Kreis und die beiden Nachbarkreise. Die Mittelpunkte der sechs Kreise miteinander verbunden ergeben ein gleichmässiges Sechseck. Doch in dessen Mitte ist der siebte Kreis. Die sechs Tage und der Sonntag, sieben Tage bilden die Woche. In jeder sechseckigen Schraubenmutter sehen wir ein Abbild davon. Darum wird die Acht auch die ‚Unendliche‘ genannt. Nach der SIEBEN beginnen wieder sieben neue Kreise. In jedem Kreise hat es wieder sieben Kreise und die sieben Kreise sind von einem von sieben Kreisen umgeben. Unendlich gross und unendlich klein.»
Jetzt schweigen all die Zahlen. Die NULL sagt nichts. Auch sagt niemand von den anderen Zahlen etwas über die NULL. Obwohl sie einen Namen hat scheint sie nicht beachtet zu werden. Würden sie jetzt eine Zahl zur schönsten erklären hätten sie womöglich schnell Streit untereinander. Wie es bei Kindern manchmal vorkommt, wenn eines etwas will, das ein anderes hat. Also vergessen sie den Schönheitswettbewerb. Es ist ihnen wiedermal klar geworden wie sie miteinander verbunden sind und wie jede Zahl eine wichtige Aufgabe hat. In allem was man anfassen kann stecken Zahlen drin, auch darin, was man darüber nachdenken kann.
CEHM schwebt wieder davon.