K: «Ich muss arbeiten», sagte das Kind.
C: «Hahaha, ‚arbeiten‘, das nennst du arbeiten?», kam die Antwort.
K: «Ja, mein Papa arbeitet auf einer Bank und rechnet auch die ganze Zeit, ich rechne auch, also arbeite ich auch. Es ist Kinderarbeit, genau betrachtet.»
C: «Was ist denn so schwierig?»
K: «Warum gibt 3+9=12?, warum nicht 7 oder 15 oder 5678 ?»
C: «Bei uns gibt es 10».
K: «?»
C: «Ja, wir haben ein zwölfer Zahlensystem, wie ihr es nennen würdet.»
K: «Oh die Sache mit den Dutzend über die wir seit dem Mittelalter hinweg sind ?»
C: «Nicht ganz seit dem Mittelalter und nicht genauso wie die Dutzend. Wir haben auch die Null und Kommastellen. Es geht also von Null bis Elf und die Zwölf ist dann die ‚Eins Null‘ also 10. Unsere Zehn ist also eure Zwölf.»
K: «Krass, erzähl mir mehr.»
C: «Deine Computer rechnen im Binärsystem. Sie kennen nur Eins und Null. Es gibt nur zwei Zahlen, zwei Werte. Computer sind nicht so schlau. Genau genommen sind es nur Rechenschieber die sehr schnell, nach einer Logik die zwei Zustände Null und Eins vergleichen. Zehn wird im Binärsystem 1010 und Zwölf 1100 geschrieben.»
K: «Und jetzt fühlst du dich super schlau?»
C: «Ja»
K: «Aha, mich interessieren Zahlen überhaupt nicht und schon gar nicht die Rechnerei.»
C: «Schon klar – das ist bei allen so die nur 4 Zehen haben.»
K: «Ich habe 5 Zehen.»
C: «An beiden Füssen?»
K: «Ja»
C: «Dann halt die, die nur 4 Finger haben.»
K: «Ich habe fünf Finger.»
C: «An beiden Händen?»
K: «Ja»
C: «Also hast du Zehn Zehen und 10 Finger total?»
K: «Ja»
C: «Und zwei Augen und Zwei Nasenlöcher?»
K: «Das auch noch.»
C: «Also haben wir schon 24!»
K: «? Du kannst doch nicht Zehen mit Nasenlöchern zusammenzählen.»
C: «Ok, dann geben wir allen einen Namen und dann haben wir 24 Namen, einverstanden?»
K: «Okee können wir machen.»
C: «Daumen linke Hand: Eins
Zeigefinger linke Hand: Zwei
Mittelfinger linke Hand: Drei
Ringfinger linke Hand: Vier
kleiner Finger linke Hand: Fünf
OK?, kannst du das verstehen?»
K: «Ja,
Daumen rechte Hand: Sechs
Zeigefinger rechte Hand: Sieben
Mittelfinger rechte Hand: Acht
Ringfinger rechte Hand: Neun
Kleiner Finger rechte Hand: Zehn»
Und wo ist jetzt deine Null?»
C: « … »
K: «Wo?»
C: «Nun, Zahlen können einen Platz bedeuten und ihn nummerieren, oder einen Wert. Einen Platz Null gibt es nicht aber einen Wert Null schon, leider ist er nur Null, also nichts.»
K: «So ein Durcheinander, das plagt mich den ganzen Tag in der Schule und auch bis in die Träume hinein.»
C: «Was denkst du, warum die Null rund gemalt wird?»
K: «Das wirst du mir sicher gleich erzählen.»
C: «Finden wir es heraus?»
K: «Ich werde mein möglichstes dazu beitragen.»
C: «Ist ein Kreis nicht etwas das man zu zeichnen beginnt und es endet dort wo es angefangen hat, eine Linie rundherum immer im gleichen Abstand zum Mittelpunkt?»
K: «Ja, das kann man so sagen.»
C: «Also, wie denkst du, sind die zehn Zahlen 0-9 anzuordnen?»
K: «Man beginnt mit der 0 und reiht dann 1 – 9 im Kreis aneinander, der Reihe nach in gleichen Abständen, die Fünf ist zu unterst.»
C: «Es hat dann also 10 Zahlen und 10 Abstände?»
K: «Ja, es hat je 10 Zahlen und Abstände.»
C: «Und wenn der Kreis voll ist machst du einen weiteren Kreis ausserhalb des bestehenden und reihst nochmals strahlenförmig zu den bisherigen die Zahlen 0 bis 9 hinzu? Da es aber ein zusätzlicher Kreis ist haben alle Zahlen dann eine Eins vor sich stehen. Also 10 11 12 13 und so weiter?»
K: «Augenscheinlich, ja, so wird es Sinn machen.»
C: «Der erste Kreis ist also 0, 1, 2, 3, 4 und so weiter und der nächste 10, 11, 12, 13, 14 …»
K: «Ja genau so ist es schön und sinnvoll.»
C: «Zehn ist also die Eins Null? Zwanzig die Zwei Null, Dreissig die Drei Null?»
K: «Vierzig die Vier Null und Fünfzig die Fünf Null und so weiter.»
C: «Könntest du dir so einen Rechenkreis aus einem solchen Holzteller basteln die man zum Brot oder Gemüse schneiden braucht, oder als Untersatz für heisse Pfannen?»
K: «Ich denke schon. Ich würde einen Kreis zeichnen mit dem Zirkel mit 10 Punkten in gleichen Abständen und dann, mit dem selben Mittelpunkt noch einmal einen grösseren Kreis und dann noch einmal einen und so weiter bis etwa 5 Kreise, mit gleichen Abständen, gezeichnet sind und dann die Löcher bohren.»
C: «Das scheint einfach zu sein. Wie bringst du die 10 Abstände denn genau hin zu den 10 Zahlen 0-9?»
K: «Ich könnte eine Schnur um den Holzteller spannen, diese abmessen und dann durch 10 teilen, dann habe ich 11 Punkte.»
C: «Warum nicht 10?»
K: «Weil der Anfangspunkt mit dem Schlusspunkt zusammengelegt wird, also gibt es genau 10 Abstände und 10 Zahlen.»
C: «Du könntest auch 2 Fünfsterne gegenüber gespiegelt hin malen?»
K: «Ja, doch ich weiss nicht wie man die regelmässig hinkriegt …»
C: «Dann, wie bringst du die Punkte alle auf die Kreise?»
K: «Ich könnte von den 10 Markierungen der Schnur, die ich wieder um den Holzteller gelegt habe (erster und elfter Punkt liegen zusammen, Linien zum Mittelpunkt ziehen, damit eine schöner Zehnstern sichtbar wird. Dann ziehe ich mit dem Zirkel 5 Kreise innerhalb des Holztellers mit gleichen Abständen, mit dem selben Mittelpunkt.»
C: «Und was machst du dann mit diesem kreisrunden Holz-Teller?»
K: «Man könnte überall in den Schnittpunkten der Kreise und der Strahlen Löcher bohren oder Vertiefungen machen, damit man Steine oder Holzkugeln hinlegen kann und sie nicht gleich davon rollen.»
K: «Dann sammle ich eine Menge helle und dunkle Kieselsteine oder male Holz oder Watte Kugeln, oder Pingpong Bälle so an, dass eine Hälfte der Gesamtmenge schwarz oder dunkel ist und die andere Hälfte hell oder weiss.»
C: «Wie gross wär dann so eine Scheibe?»
K: «Ich denke etwa 20 bis 50 cm Durchmesser je nachdem wie gross die Steine oder Kugeln sind die verwendet werden und wieviele Kreise du ziehst.»
C: «Das wird sicher eine schöne Scheibe. Und was kann man damit machen?»
K: «Das sagst du mir sicher gerade ich bin schon gespannt darauf.»
C: «Nun – ich kann zählen und rechnen … doch ich habe es mit so einer kreisrunden Scheibe gelernt, allerdings, wie erwähnt, im Zwölfer Zahlensystem.»
K: «Und was kann man jetzt damit machen?»
C: «Kleine Kinder die die Zahlen noch nicht kennen, können einfach damit spielen. Schöne Muster machen mit abwechselnd hellen und dunklen Steinen oder Kugeln. Diese sollten nicht kleiner als 3 cm Durchmesser haben sonst können sie verschluckt werden. Kleine Kinder stecken alles in den Mund um zu prüfen ob es essbar ist 🙂 .»
K: «Jetzt bin ich müde.»
C: «Gute Nacht.»